Sa, 18. August 2018

Missbrauch, Mord ...

05.09.2014 12:04

Gewalt gegen Kinder: Erschütternde Zahlen der UNO

120 Millionen Mädchen weltweit werden vor dem 20. Lebensjahr vergewaltigt oder sexuell belästigt - das ist statistisch gesehen etwas mehr als eines von zehn Mädchen. Diese Zahl nennt ein neuer Bericht der UNO-Kinderhilfsorganisation UNICEF über Gewalt gegen Kinder. Und es gibt noch mehr erschütternde Zahlen. So wurden etwa allein 2012 95.000 Mädchen und Buben im Kindes- und Teenageralter ermordet. In aller Welt sei Gewalt gegen Kinder alltäglich, klagt UNICEF an.

"Hidden in plain sight" heißt der UNICEF-Bericht, der Daten aus 190 Ländern zusammenfasst. Gemeint ist die alltägliche Gewalt gegen Kinder, die oft unbemerkt bleibe oder - weil als normal angesehen - nicht abgestellt werde, schreiben die Verfasser im Vorwort. Ob es sich um von ihren Eltern geschlagene Kinder, Bullying, die sexuelle Annäherung von Erwachsenen an Teenager, Zwangsverheiratungen oder Vergewaltigungen handle - zu viele Kinder weltweit seien Opfer von Gewalt.

Vergewaltigung und Belästigung an der Tagesordnung
Die Zahlen, die UNICEF hierzu vorlegt, sind erschütternd. Allein 120 Millionen Mädchen würden vergewaltigt oder sexuell belästigt, bevor sie 20 sind. Auch Buben seien von diesem Schicksal betroffen, doch seltener. Jedes dritte Mädchen zwischen 15 und 19 habe beim Zusammenleben mit Partner oder Ehemann überdies emotionale, körperliche oder sexuelle Gewalt von diesem erlitten. Ein besonders großes Problem sei dies in afrikanischen Ländern wie dem Kongo, Uganda, Tansania und Simbabwe.

Besonders traurig: Fast die Hälfte aller Mädchen zwischen 15 und 19 seien der Meinung, ein Mann dürfe seine Frau unter gewissen Umständen schlagen. In Ländern wie Afghanistan, Guinea, dem Jordan, Mali oder Osttimor liegt der Prozentsatz laut UNICEF sogar bei 80 Prozent und mehr.

Mord häufigste Todesursache in Lateinamerika
Im Bericht außerdem zu lesen ist, dass allein 2012 95.000 Kinder und Jugendliche ermordet wurden - die meisten davon in Lateinamerika und der Karibik. Bei jedem fünften Mord weltweit wird also ein Kind oder Teenager getötet. In vielen lateinamerikanischen Ländern wie Venezuela, Panama, Brasilien und Kolumbien sei Mord inzwischen die häufigste Todesursache junger Männer zwischen zehn und 19 Jahren, so UNICEF. Die höchste Mordrate an Kindern wurde aber in Nigeria festgestellt - in Westeuropa und Nordamerika hält die USA diesen traurigen Spitzenplatz.

Gewalt beginne dabei oft noch vor der Geburt, wenn Schwangere misshandelt werden. Im Kleinkindalter gehe es oft weiter: Sechs von zehn Kindern zwischen zwei und 14 Jahren würden von den Personen, die sie betreuen, mit körperlicher Züchtigung bestraft, heißt es im Bericht. Und etwas mehr als jeder Dritte zwischen 13 und 15 Jahren sei in der Schule regelmäßigem Bullying ausgesetzt.

Übergriffe an vermeintlich sicheren Orten
Die Gewalt finde an Orten statt, an denen Kinder eigentlich sicher sein sollten - ihrem Zuhause, Schulen und ihrer Umgebung, prangert UNICEF an. Zudem steige die Gefahr durch das Internet stetig, wo Familienmitglieder, aber auch Lehrer, Nachbarn, Gleichaltrige und völlig Fremde auf die Kinder einwirken.

Zwar werde Gewalt gegen Kinder inzwischen öffentlich stärker diskutiert, so die UNICEF, doch noch immer werde sie zu wenig angezeigt und dokumentiert. In vielen Ländern sei die Misshandlung von Kindern und Teenagern sozial akzeptiert, oft seien die Opfer zu verängstigt, um Hilfe zu suchen. Die Gewalt zieht sich laut Bericht durch alle Einkommensschichten, Länder, Religionen und Altersschichten.

Um endlich langfristige Änderungen zu erreichen und Kinder in aller Welt zu schützen, seien verschiedene Maßnahmen nötig, so UNICEF. Man müsse Eltern und ihren Nachwuchs unterstützen und ihre Einstellungen ändern, aber auch das Sozialsystem, die Strafverfolgung und Gerichte. Zudem sei wichtig, Beweise zu sammeln und ein Bewusstsein gegen Gewalt und ihre Auswirkungen auf und Kosten für die Gesellschaft zu schaffen. Schließlich unterminiere Gewalt gegen Kinder und Jugendliche Stabilität und Fortschritt vieler Länder, dabei sei sie mitnichten unausweichlich, so UNICEF.

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