23.01.2006 12:54 |

Nichts gelernt?

Beinahe-Crash bleibt ohne Folgen

Trotz der Beinahe-Tragödie bleibt eine Sicherheitsdiskussion im alpinen Ski-Weltcup aus. Der knapp vermiedene Zusammenprall von Michaela Dorfmeister mit einem in der Piste stehenden Streckenarbeiter in St. Moritz/Schweiz beruhte auf einem missverstandenem Funkspruch. "Was für Konsequenzen soll es denn geben? Der Weltskiverband FIS muss doch erst einmal selber seinen Laden in den Griff bekommen", sagte der deutsche Damen- Cheftrainer Wolfgang Maier.

FIS-Renndirektor Jan Tischhauser sieht keinen akuten Handlungsbedarf: "Auch wenn man versucht, die Sicherheit immer mehr zu perfektionieren je mehr Leute, Funk und Routine im Spiel sind, desto größer ist die Gefahr, dass genau so etwas passiert. Das wird man nie ganz in den Griff bekommen."

Dorfmeister gefasst
Michaela Dorfmeister, die nur um Zentimeter schwersten Verletzungen entging, zeigte Verständnis für den 65 Jahre alten Pistenarbeiter. Trotz der Erfahrung von 30 Jahren hatte der Einheimische einen Funkspruch falsch verstanden und hatte in dem Glauben, das Rennen sei unterbrochen, eine Torstange ersetzen wollen. "Wenn Menschen am Werk sind, passieren eben auch Fehler. Natürlich muss man etwas unternehmen, damit so etwas nicht wieder passiert", sagte die Zweite im Gesamtweltcup. "Doch als Betroffene darf ich das Ganze jetzt auch nicht zu dramatisch sehen, denn sonst brauche ich nie wieder an einem Rennen teilnehmen."

Cavagnoud bei ähnlichem Unfall gestorben
Vier Jahre nach dem tödlichen Unfall von Regine Cavagnoud offenbarte sich erneut, dass missverständliche Funksprüche an der Strecke die Schwachstellen bei den Rennen mit Geschwindigkeiten bis 140 Stundenkilometern sind. Hinzu kam in St. Moritz die Unachtsamkeit von zwei italienischen Trainern, die bei der Spezialabfahrt bei noch laufendem Rennen ins Ziel abschwangen. Betroffen davon war die Norwegerin Anne Marie Müller. "Ich hatte unheimliche Angst", sagte die 25-Jährige und fragte sich, "wie Leute, die seit Jahren im Weltcup dabei sind, so etwas tun können".

Skaardal ohne Autorität
FIS-Renndirektor Atle Skaardal wollte daraufhin die Trainer verpflichten, sich nicht mehr frei, sondern nur noch mit den Rutschkommandos auf der Piste zu bewegen. Doch dieser Vorschlag wurde abgeschmettert, weil die Trainer vor dem Dorfmeister-Zwischenfall darauf verwiesen, es sei jahrelang alles gut gegangen. In der Tat war der Vorschlag Skaardals wenig praktikabel. Für die ohnehin noch nicht sehr ausgeprägte Autorität des seit diesen Winter amtierenden Renndirektors war der Vorschlag zudem nicht förderlich.

Janica Kostelic hatte ihre eigene Einstellung zum Geschehen in St. Moritz. "Natürlich darf das nicht passieren. Ich bin während des Trainings schon zwei Mal mit Leuten zusammengestoßen", sagte die Gesamtweltcup-Führende und fügte lächelnd hinzu: "Ich blieb unverletzt."

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