08.08.2014 12:26 |

Fußball-Wettskandal

Auftakt von Prozess gegen Taboga und Co. in Graz

Am Freitag hat am Grazer Straflandesgericht der Prozess rund um den bisher größten österreichischen Wettskandal begonnen. Die zehn Angeklagten mussten ein heftiges Blitzlichtgewitter der Fotografen über sich ergehen lassen, das allgemeine Medieninteresse war dagegen eher matt. Es geht bei der Verhandlung um 18 Bundesliga-Spiele, die tatsächlich oder versuchsweise manipuliert worden sind.

Pünktlich um neun Uhr waren zumindest jene Angeklagten im Saal, die nicht in Haft sind. Die Fotografen scharten sich zunächst vor allem um die Profi-Spieler Dominique Taboga und Thomas Zündel. Als Sanel Kuljic mit den restlichen Beschuldigten vorgeführt wurde, war er im Mittelpunkt des Interesses, was er gelassen hinnahm.

Dann begann Richterin Elisabeth Juschitz mit der Überprüfung der Personalien, was nach knapp zwei Stunden immer noch nicht abgeschlossen war. Gleich beim ersten Beschuldigten, einem gebürtigen Tschetschenen, kam es zu Missverständnissen. "Verheiratet?", fragte die Richterin routinemäßig. "Nicht offiziell", antwortete der Befragte. "Ich hätte nicht gedacht, dass das jetzt schon losgeht, dass ich nichts verstehe", seufzte die Richterin. Es klärte sich auf, die Heirat wurde nur bei einer Religionsgemeinschaft geschlossen.

Trockene Antwort von Sanel Kuljic
Spannend wurde es dann bei Sanel Kuljic, als dessen gesamter Werdegang als Spieler mit höchst unterschiedlichen Gagen besprochen wurde. Als er seinerzeit in die Schweiz wechselte, bekam er nur für die Unterschrift 100.000 Franken, zusätzlich zu den monatlichen Zahlungen. "Ihre Unterschrift ist 100.000 Franken wert?", fragte Juschitz nach. "Jetzt nicht mehr", relativierte Kuljic trocken.

Dominique Taboga, dessen Geständnis die ganze Sache überhaupt erst aufgebracht hatte, gab an, er sei arbeitslos und mache derzeit einen Lehrgang zum Sportjournalisten. Ein Privatkonkurs läuft derzeit auch gegen ihn. Ein weiterer Spieler, Thomas Zündel, ist ebenfalls arbeitslos und arbeitet ab und zu als Kellner.

Die Richterin hat zunächst zehn Verhandlungstage anberaumt. Für den ersten Prozesstag standen die Eröffnungsvorträge der Anklage und der Verteidigung auf dem Programm. Staatsanwältin Kathrin Heidinger betonte, dass die Manipulationen ein "Betrug am zwölften Mann waren, denn die Zuschauer wollen ein spannendes Spiel und nicht Theater vorgesetzt bekommen". Sie schilderte, dass bei 18 Matches zwischen 2004 und 2013 zumindest versucht wurde, das Ergebnis zu beeinflussen.

Taboga bekennt sich schuldig
Thomas Mose, der Verteidiger von Dominique Taboga, betonte, dass sich die Anklage "fast durchgehend" auf die Angaben seine Mandanten stütze. Der Ex-Bundesliga-Spieler werde sich weiterhin schuldig bekennen, so der Anwalt. Die meisten Verteidiger fassten sich einigermaßen kurz und beschränkten sich darauf zu betonen, dass ihr Mandant nur am Rande an den Vorfällen beteiligt war.

Ganz anders die Ausführungen des Verteidigers von Sanel Kuljic, der die Theorie aufstellte, sein Mandant sei in den meisten Fällen nur zur Ablenkung von Taboga beschuldigt worden. Tatsächlich schuldig fühle sich Kuljic nur in drei Fällen, als er für den SV Kapfenberg spielte. Im Übrigen, so der Anwalt, seien zehn von 18 Spielen aus Sicht der Manipulatoren schief gegangen.

Die Beschuldigten müssen sich unter anderem wegen schweren gewerbsmäßigen Betrugs, schwerer Erpressung, Nötigung und des Bildens einer kriminellen Vereinigung – zum Teil auch als Versuch – verantworten. Von 2004 bis 2013 sollen die Männer in unterschiedlichen Konstellationen Fußballspiele manipuliert und dadurch hohe Wettgewinne erzielt haben.

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