Mädchen vergewaltigt
Texas: DNA-Test entlastet Häftling nach 24 Jahren
Phillips war im Jahr 1990 beschuldigt worden, ein 16-jähriges Mädchen in einem Motel, in dem er damals arbeitete, überfallen und vergewaltigt zu haben. Das Opfer sagte bei der Polizei aus, dass sie dem Täter dessen weiße Skimaske während der Vergewaltigung kurz vom Kopf reißen konnte. Als die Beamten ihr einige Fotos von den Motelangestellten zeigten, war sie sich sicher, dass Phillips ihr Peiniger war.
Phillips beteuerte seine Unschuld und sagte aus, dass er während der Tatzeit in seinem Zimmer war und schlief. Sein Pflichtverteidiger riet ihm jedoch dazu, ein Geständnis abzulegen, da er als Schwarzer, der ein weißes Mädchen vergewaltigt haben soll, vor einer Jury in Texas keine Chance habe und ihm eine lebenslange Haft drohe. Phillips gestand vor Gericht und wurde zu einer zwölfjährigen Haftstrafe verurteilt.
Wegen Blutkrankheit an Rollstuhl gefesselt
Während seiner Haftzeit brach bei dem heute 57-Jährigen die Blutkrankheit Sichelzellenanämie aus und er war von nun an einen Rollstuhl gefesselt. Seit seiner Entlassung im Jahr 2002 lebt er in einem Pflegeheim.
Im Rahmen eines Überprüfungsprogramms der Staatsanwaltschaft in Dallas wurde der Fall Phillips vor mehreren Monaten erneut unter die Lupe genommen. Dank des technischen Fortschritts konnten die Samenspuren, die damals an der Unterwäsche des Opfers sichergestellt wurden, nun analysiert und mit der DNA von Phillips verglichen werden. Ergebnis: Die DNA stimmt nicht überein.
Arbeitskollege war Vergewaltiger
Die Ermittler jagten die Probe durch die FBI-Datenbank und fanden tatsächlich einen Treffer. Es stellte sich heraus, dass ein vorbestrafter Mann, der zur Zeit der Vergewaltigung ebenfalls in dem Motel gearbeitet hatte, der Täter ist. Ein Richter in Dallas sprach den schwerkranken Michael Phillips nun offiziell frei. Für jedes Jahr, das er unschuldig im Gefängnis saß, erhält der 57-Jährige 80.000 Dollar, plus eine lebenslange Rente von jährlich 80.000 Dollar.
"Das ist ein großartiger Tag für Herrn Phillips, aber ein schlimmer Tag für unser Justizsystem", sagte Oberstaatsanwalt Craig Watkins nach dem Richterspruch. Phillips möchte sich mit der Entschädigung nun ein Haus und ein Auto kaufen: "Ich will das ganze Land bereisen." Außerdem träume er davon, einmal auf der Chinesischen Mauer zu spazieren. Gegen das Vergewaltigungsopfer, das ihn vor 24 Jahren fälschlicherweise beschuldigt hatte, hegt Phillips keinen Groll: "Sie war genauso ein Opfer wie ich. Ich bete für sie."







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