Fr, 22. Juni 2018

Ankunft in Genua

27.07.2014 13:59

Die letzte Reise der "Costa Concordia" ist zu Ende

Die letzte Reise der 2012 havarierten "Costa Concordia" ist zu Ende. Sirenen kündigten die Ankunft des Luxusliners im Verschrottungshafen Genuas an. Etwas weniger als vier Tage hat das Schiff mit seinen vier Schleppern und zehn Begleitbooten für die gut 350 Kilometer lange Strecke von der Insel Giglio in die Hafenstadt gebraucht. Nun ist auch die letzte Hürde, die Hafeneinfahrt, geschafft. Schlepper führten die "Costa Concordia" im Rückgang zum Kai, wo das Schiff nun schrittweise zerlegt werden soll.

Durchschnittlich war der Konvoi mit einer Geschwindigkeit von etwa zwei Knoten (rund 3,7 Stundenkilometer) unterwegs. Auf den letzten Kilometern wurde das Tempo jedoch reduziert. Die Hafenlotsen gingen an Bord, als die "Costa Concordia" noch zwei Seemeilen vor der Hafeneinfahrt war. Schlussendlich stiegt auch noch Michael Thamm, der deutsche Geschäftsführer von Costa Crociere, Betreiberin des Schiffes, an Bord und gratulierte dem Team um Projektleiter Nick Sloane, das das Schiff von der Insel Giglio nach Genua geführt hat.

Thamm unterzeichnete die Dokumente, mit dem der Besitz des Schiffes der Firma Saipem zur Verschrottung übergeben wird. "Das Bergungsteam hat Tolles geleistet. Es war die größte Bergungsaktion in der Schifffahrtsgeschichte. Die Freude über die gelungene Operation darf uns aber nicht die Opfer dieses Unglücks vergessen lassen. Wir wollen dafür sorgen, dass so ein Unglück nie wieder vorkommt", betonte Thamm.

"Heute ist ein großartiger Tag und das Ende eines Notstands"
Der italienische Premier Matteo Renzi schlug in die gleiche Kerbe und bedankte sich beim Bergungsteam Titan-Micoperi für den gelungenen Transport der "Costa Concordia" zum Verschrottungshafen. "Die außerordentliche Qualität vieler Menschen hat es ermöglicht, dass die 'Costa Concordia' nach Genua zurückkehren konnte. Italien ist eine einmalige Bergungsaktion gelungen", lobte der Premier.

"Der Auftrag ist erfüllt. Heute ist ein großartiger Tag und das Ende eines Notstands, der mit der Havarie im Jänner 2012 begonnen hatte", kommentierte Zivilschutzchef Franco Gabrielli. Zufrieden zeigte sich auch der italienische Umweltminister Gianluca Galletti, der mit seiner französischen Amtskollegin Segolene Royal polemisierte. "Wir haben alle Vorbeugungsmaßnahmen für einen sicheren Abtransport ergriffen. Alles ist bestens verlaufen. Die Franzosen sollten uns mehr vertrauen", kommentierte Galletti. Die Politikerin hatte bemängelt, dass die Behörden ihres Landes nicht früher von Italien über die Route der "Costa Concordia" informiert worden seien.

"Die 'Costa Concordia' ist nach Hause zurückgekehrt", sagte Genuas Hafenpräsident Luigi Merlo. Genua könne jetzt sein technisches Know-how unter Beweis stellen. Der Bau und die Verschrottung großer Schiffe seien aus Europa zum Großteil nach Asien abgewandert. Jetzt könnte das aber wieder ein wichtiges Segment für die europäische Industrie werden.

Abwracken als Segen für den Hafen Genua
Für den Hafen Genua ist die "Costa Concordia" ein Segen. Zwei Jahre lang sollen Hunderte Arbeiter mit dem Abwracken beschäftigt sein und damit über sichere Arbeitsplätze in einer Stadt mit hoher Arbeitslosigkeit verfügen. Bis zu 100 Millionen Euro könnte das Verschrotten verschlingen, hieß es. Um das Abwracken hatten sich zahlreiche Häfen von der Türkei bis Norwegen beworben, die Regierung Renzi hatte jedoch auf das Verschrotten des Wracks in Italien gedrängt.

Der Auftrag zum Abwracken ging an ein Konsortium der Ölfirma Saipem und der genuesischen Unternehmen Mariotti und San Giorgio. Um die "Costa Concordia" sollen Barrieren errichtet werden, um zu verhindern, dass gefährliche Stoffe ins Wasser gelangen. In einer ersten Phase sollen die Möbel und die gesamte Inneneinrichtung des Schiffs entfernt werden, erst danach kann die Abwrackung beginnen.

Havarie vor Giglio forderte 32 Todesopfer
Das Kreuzfahrtschiff war am 13. Jänner 2012 mit mehr als 4.200 Menschen an Bord vor der Insel Giglio auf Grund gelaufen, 32 Menschen starben. Zum Zeitpunkt des Unglücks befanden sich auch 77 Österreicher auf der "Costa Concordia", die alle unverletzt blieben. Die Reederei Costa Crociere, die zum US-Kreuzfahrtriesen Carnival gehört, hat ihre Mitverantwortung eingestanden, da mehrere Angestellte des Unternehmens für die Havarie verantwortlich gemacht werden.

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