19.06.2014 11:54 |

Hunderte halfen mit

Happy End im Höhlendrama: Forscher gerettet

Glückliches Ende einer beispiellosen Rettungsaktion: Nach eineinhalb Wochen in seinem dunklen Gefängnis tief im Untersberg ist der deutsche Höhlenforscher Johann Westhauser Donnerstagmittag an die Oberfläche gebracht worden. Auch die letzte Etappe der Rettung verlief plangemäß, wenn auch mit einer längeren Pause vor dem allerletzten Stück. Der Verletzte war bis zuletzt gesundheitlich stabil.
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Wie auch an den vorangegangenen Tagen war das Rettungsteam am Mittwoch gut vorangekommen. So ließen die Helfer laut Bergwacht Bayern das Biwak 1 sogar aus und legten wenig später eine letzte Pause ein. Um 5.30 Uhr am Donnerstagmorgen ging es dann weiter Richtung Ausgang. Betreut wurde Westhauser zuletzt von einem österreichischen Arzt, einer italienischen Ärztin und einem Rettungssanitäter.

Letzter Schacht im "Pendelzug" überwunden
Am Ende der Rettungsaktion hatten die Einsatzkräfte die gewaltigste Hürde vor sich: Die Retter mussten den Patienten einen 180-Meter-Schacht hinaufziehen - nur mit Muskelkraft, denn der Einsatz einer Motorseilwinde wäre zu riskant gewesen. Jede Erschütterung hätte für den 52-Jährigen, der ein Schädel-Hirn-Trauma erlitten hat, gefährlich sein können. Höhlenretter hängten sich als Gegengewichte ins Seil und zogen die rund 100 Kilogramm schwere Trage nach oben - eine Methode namens Pendelzug.

Anschließend musste der Rettungstrupp mit der sperrigen Trage noch einen engen, verwinkelten Schacht überwinden. Am Höhlenausgang am Untersberg in 1.800 Metern Höhe hatte sich ein zweites Team auf die Ankunft des Patienten vorbereitet. Ärzte und Hubschrauber warteten vor Ort.

Rettungsarbeiten am Rande der Belastbarkeit
Westhauser hatte seine schwere Verletzung am Pfingstsonntag bei einem Steinschlag in 1.000 Metern Tiefe erlitten. Seit vergangenem Freitag wurde der Forscher, der die Riesending-Höhle bei Berchtesgaden seit Jahren erkundet hatte, von einem internationalen Rettungsteam aus der Höhle transportiert. Die Helfer arbeiteten bis an den Rand der Erschöpfung.

In der Nacht zum Mittwoch war die Mannschaft erneut ausgewechselt worden, etwa 20 kroatische Höhlenretter entlasteten das italienische Team. Insgesamt waren bis zuletzt 60 bis 70 Helfer in der Höhle - während der Verletzte gerastet hatte, bauten sie den Weg nach oben weiter aus.

Die dramatischen Tage in der Riesending-Höhle im Überblick:

  • 7. Juni: Ein dreiköpfiges Team von Forschern, darunter der 52-jährige Westhauser, steigt in die beinahe 1.100 Meter tiefe Riesending-Schachthöhle bei Berchtesgaden.
  • 8. Juni: Gegen 1.30 Uhr kommt es zu einem Steinschlag, bei dem Westhauser am Kopf und Oberkörper verletzt wird. Er erleidet ein Schädel-Hirn-Trauma. Ein Kollege beginnt einen zwölfstündigen Aufstieg, um Hilfe zu holen, ein zweiter bleibt bei dem Verletzten.
  • 9. Juni: Vier Bergretter erreichen erstmals das Lager des Verletzten. Westhauser sei ansprechbar, "aber es geht ihm nicht gut", berichtet die Bergwacht. Ein Arzt, der zu dem 52-Jährigen aufbricht, muss aufgeben.
  • 10. Juni: Vier Schweizer, die auf die Rettung aus Schächten spezialisiert sind, erreichen den 52-Jährigen. Ein österreichischer Arzt macht sich mit drei Bergrettern auf den Weg in die Tiefe. Ein erster Lichtblick: Dem Verletzten gehe es wohl besser als zunächst vermutet, heißt es.
  • 11. Juni: Ein weiterer Mediziner steigt zu Westhauser hinab, am Nachmittag erreicht der Österreicher den Verletzten.
  • 12. Juni: Der zweite Arzt trifft ein. Die Mediziner entscheiden: Der Patient kann transportiert werden.
  • 13. Juni: Fünf Tage nach dem Unglück beginnt am späten Nachmittag der Transport des Verletzten auf einer Trage.
  • 14. Juni: Das Rettungsteam schafft die erste Etappe und erreicht gegen 4 Uhr Biwak 5, den ersten Rastplatz.
  • 15. Juni: Die Helfer bewältigen die "Lange Gerade", die etwa 900 Meter unter der Oberfläche Hunderte Meter fast waagrecht durch den Berg führt. Nun beginnt der schwierige Teil: Der Trupp muss Westhauser an einer teils senkrecht nach oben führenden Wand in die Höhe ziehen.
  • 16. Juni: Das Team erreicht das dritte Lager in rund 700 Metern Tiefe. Nach einigen Stunden Pause geht es weiter.
  • 17. Juni: Die Rettung geht rascher voran als erwartet. Die Einsatzkräfte erreichen mit Westhauser in der Früh Biwak 2 in rund 500 Metern Tiefe. Etwa 15 Mann sind mit dem Verletzen unterwegs, Dutzende andere bauen den Weg aus.
  • 18. Juni: In der Früh kommt der Trupp am Biwak 1 an.
  • 19. Juni: Es ist vollbracht: Die Retter bringen die Trage mit Westhauser an die Oberfläche. Dort wird der Verletzte dem Ärzteteam übergeben.
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