Aufgrund eines Werbesujets samt irritierendem Südtirol-Vergleich geriet im Jänner die Tirol-Werbung unter (politischen) Beschuss. Bis hin zum Landeshauptmann sorgte das Social-Media-Posting für Aufregung. Ganz besonders auf die Palme brachte das Sujet aber die FPÖ. Diese stellte daraufhin eine schriftliche Anfrage an Tourismuslandesrat Mario Gerber (ÖVP) – die Antworten liegen nun vor.
Die Europaregion Tirol-Südtirol-Trentino: Oft und gerne wird sie politisch in den Mittelpunkt gerückt, Zusammenarbeit wird großgeschrieben, gemeinsame Projekte und Veranstaltungen durchgezogen. Kurzum: Die Stärkung der Zusammenarbeit zwischen den Regionen steht im Fokus!
Ende Jänner sorgte dann ausgerechnet die Landestourismusorganisation für einen Eklat: Es ging um einen kuriosen Tirol-Südtirol-Vergleich, der nicht bei jedem gut ankam. Sogar LH Anton Mattle (ÖVP) – er ist aktueller Euregio-Präsident, Tirol hatte erst im Oktober den Vorsitz übernommen – musste sich einschalten und vom Posting distanzieren.
Dieses Sujet entspricht nicht dem Euregio-Gedanken, nicht der Zielsetzung der Tiroler Euregio-Präsidentschaft und nicht meinem persönlichen Zugang.

LH Anton Mattle damals in einer Stellungnahme
Bild: Christof Birbaumer
„Freund, kein Konkurrent oder Gegner“
„Südtirol ist ein Partner und Freund, kein Konkurrent oder Gegner“ – oder: „Dieses Sujet der Tirol Werbung entspricht nicht dem Euregio-Gedanken, nicht der Zielsetzung der Tiroler Euregio-Präsidentschaft und nicht meinem persönlichen Zugang“, so Mattle damals.
„Gemeinsame Geschichte mit Füßen getreten“
Groß war die Aufregung auch bei der FPÖ, allen voran bei der aus Südtirol stammenden Landtagsabgeordneten Gudrun Kofler. „Wer Südtirol auf Pizza, Wein und einen ,dialect impossible to understand‘ reduziert, verspottet nicht nur einen Landesteil, sondern tritt die gemeinsame Geschichte Tirols mit Füßen“, kritisierte sie. Der umstrittene Post wurde damals von der Tirol Werbung gelöscht. Kofler kündigte eine schriftliche Anfrage an Tourismuslandesrat Mario Gerber (ÖVP) an. Jetzt liegen die Antworten vor.
Zwei Mitarbeiter, 1,5 Stunden Arbeitszeit
Kofler wollte etwa wissen, wie viele Personen denn an der Erstellung dieses Werbesujets beteiligt waren und wie lange daran gearbeitet wurde. Gerber antwortete: „Zwei Personen haben an der Beitragserstellung mitgewirkt. Es wurden 1,5 h Arbeitszeit investiert.“
„Kommunikative Risiken nicht erkannt“
Die FPÖ wollte auch Informationen zu den internen Kontrollmechanismen bei der Tirol Werbung hinsichtlich Posts auf Social-Media-Kanälen. Dazu gab Gerber folgende Auskunft: „In der zuständigen Abteilung ist ein Vieraugenprinzip in der Entwicklung der Social Media Postings obligatorisch, In der Freigabe ist ebenso ein Vieraugenprinzip verpflichtend einzuhalten und dokumentiert umzusetzen. Zuletzt wird das Posting durch die Teamleitung/Führungskraft der Abteilung freigegeben. Werden Risiken erkannt, wird die Befassung auf weitere Personen ausgedehnt. Der Prozess wurde eingehalten und dokumentiert, allfällige kommunikative Risiken in der Gesamttragweite nicht erkannt.“
Da der „Prozess in diesem Fall zu keiner ausreichenden Risikoeinschätzung“ geführt habe, „wurde er auf ein Sechsaugenprinzip, das die Geschäftsleitung der Tirol Werbung umfasst, ausgeweitet, um ähnliche Ereignisse in der Zukunft zu verhindern“, schildert Gerber die Maßnahmen. Der Tourismuslandesrat distanzierte sich überdies noch einmal „ausdrücklich vom Inhalt“ dieses Social-Media-Postings.
Dann waren da noch die Kosten
Übrigens: Die Kosten für die Erstellung dieses Werbesujets, an der zwei Mitarbeiter eineinhalb Stunden beschäftigt waren, werden in der Anfragebeantwortung mit exakt 87,75 Euro beziffert.
„An Peinlichkeit kaum zu überbieten“
„Dass zwei Personen eineinhalb Stunden an einem Posting arbeiten, dafür 87,75 Euro an Steuergeld verbrauchen und am Ende nichts Besseres herauskommt als die geschichtsvergessene Gleichsetzung Südtirols mit Italien, ist an Peinlichkeit kaum zu überbieten“, reagiert FPÖ-LA Gudrun Kofler auf die Anfragebeantwortung. Für sie sei klar, dass bei der Tirol Werbung „offensichtlich die eine Hand nicht weiß, was die andere tut.“ Sie kritisiert zudem, dass „offenbar niemand rechtzeitig eingeschritten sei“.
Die FPÖ forderte weiterhin die Übernahme politischer Verantwortung durch Landesrat Gerber sowie eine vollständige Neuaufstellung der Tirol Werbung.
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