Der Österreichische Alpenverein (ÖAV) und der WWF fordern den Stopp des UVP-Verfahrens für den umstrittenen Ausbau des TIWAG-Kraftwerks Kaunertal – wichtige Unterlagen würden fehlen.
Alpenverein und WWF haben Parteistellung im UVP-Verfahren für den Kraftwerksausbau, der auch einen Speicher im Platzertal beinhaltet. „In den Verfahrens-Unterlagen sind Naturgefahren teilweise nicht abgebildet“, kritisierte ÖAV-Generalsekretär Clemens Matt am Freitag in einem Pressegespräch in Innsbruck. „Dabei steigen die klimabedingten Risiken und Naturgefahren im hochalpinen Raum dramatisch“, warnt Matt. „Dafür hat die Tiwag bisher leider keine tragfähigen Antworten gegeben.“
In den Tiwag-Unterlagen würden vor allem die extremen Lücken bezüglich Naturgefahren, Geologie und Grundwasser hervorstechen. „Das Risiko von Felsstürzen hat sich in den vergangenen Jahrzehnten vervierfacht. Davor als Kraftwerksbetreiber die Augen zu verschließen, ist grob fahrlässig“, hob WWF-Expertin Bettina Urbanek hervor.
Gefahr von Flutwellen
Gefährliche Prozessketten, die eine Flutwelle im Speicher auslösen können, würden nicht behandelt. Urbanek erinnerte in dem Zusammenhang an die Katastrophe im italienischen Longarone 1963. Damals löste ein Bergsturz in den Vajont-Stausee eine Flutwelle aus – 2000 Menschen starben.
Die klimabedingten Risiken und Naturgefahren im hochalpinen Raum steigen dramatisch an.

Clemens Matt, ÖAV-Generalsekretär
Bild: norbert-freudenthaler.com
„Lückenhafte Basis bei Unterlagen“
Eine Analyse des Geomorphologen Wilfried Haeberli bestätige, dass die Unterlagen aufgrund der Mängel neu erarbeitet werden müssten. „Auf einer derart lückenhaften Basis ist keine seriöse Umweltverträglichkeitsprüfung möglich“, sagte Urbanek.
Nicht eingeladene TIWAG-Mitarbeiter bei PK
Detail am Rande: Das Pressegespräch wurde von zwei Tiwag-Mitarbeitern quasi unterwandert.
Schon klar: Die Mitarbeiter des WWF und des Alpenvereins machen auch nur ihren Job – immerhin werden sie dafür bezahlt. Dafür, dass sie sich für die Umwelt, den Erhalt der Berge und Gletscher sowie deren Flora und Fauna einsetzen. Doch bei allem durchaus lobenswerten Einsatz wäre es wichtig, wenn sie dabei nicht das große Ganze aus den Augen verlieren würden. Sprich, nicht ständig das Kind mit dem Bade ausschütten.
Fakt ist: Wir brauchen die Energie! Die sinnvollste Möglichkeit, in Tirol Energie zu erzeugen, ist halt einmal die Wasserkraft. Natürlich muss man auch die Sonne sowie – punktuell – den Wind nutzen. Doch eine echte Versorgung mit nachhaltiger Energie ist bei uns nur mit Wasserkraft möglich.
Natürlich könnten wir unsere Energie auch aus Atom- oder Heizkraftwerken beziehen. Doch davon einmal abgesehen, dass Öl und Gas wegen des Krieges derzeit täglich teurer werden, will das ohnehin keiner – auch WWF und Alpenverein nicht. Daher ist der Bau neuer Kraftwerke ein Gebot der Stunde. Natürlich maßvoll und naturschonend, doch das macht die Tiwag ohnedies. Die Verlegung von Ameisenhügeln ist nur ein Beispiel dafür, wie sorgsam die Tiwag beim Bau neuer Anlagen vorgeht.
Fazit: Wollen wir weiterhin nachhaltige und saubere Energie, dann dürfen wir nicht jedes Projekt boykottieren. Unsere Kinder und Enkel werden es uns später einmal danken! So wie wir heute dankbar dafür sind, dass einst unsere Vorfahren auch Wasserkraftwerke – für uns – gebaut haben.
Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.