Leykam, der älteste Verlag Österreichs, streicht ab 2027 Literatur, Kinderbuch und Sachbuch komplett aus dem Programm. Was bedeutet das für Autoren und die Branche? Die „Krone“ hat nachgefragt.
Der älteste österreichische Verlag verzichtet künftig auf Literatur. Leykam „hat sich aus wirtschaftlichen Gründen dazu entschlossen, keine neuen Buchprojekte im Bereich Publikumsbuch für 2027 und später abzuschließen“ postete der Verlag auf Instagram und bestätigte damit Gerüchte, die es seit Tagen gab – wir haben berichtet.
Die Entscheidung des 1585 in Graz gegründeten Verlages kam überraschend: 2017 hatte die steirische GL Invest (dahinter steht die Familie von Leopold Gartler) den Verlag übernommen und den Publikumsbereich neu aufgestellt. Man holte die umtriebige Tanja Raich als Programmleiterin, die vor allem auf feministische und queere Themen setzte und dem Verlag ein kantiges Profil verliehen hat – die eine oder andere Aufregung inklusive: So gab es im vergangenen Jahr etwa einen Shitstorm rund um die Entscheidung, einen Text der Autorin Gertrud Klemm aus dem Sammelband „Penismuseum“ hinauszuwerfen, weil sie einen „falschen“ Feminismus vertrat.
Dem Verlag gelangen aber auch viele Erfolge. Ulrike Haidacher etwa feierte mit „Die Party“ dort ihr literarisches Debüt und erhielt dafür den Rosegger-Preis des Landes Steiermark. Auch ihr Nachfolgewerk „Malibu Orange“ erschien bei Leykam. „Ich habe über Facebook davon erfahren, dass ich keinen Verlag mehr habe, das war schon befremdlich“, sagt sie der „Krone“. Haidacher arbeitet gerade an ihrem dritten Roman, hatte schon Gespräche mit Leykam, diesen wieder dort zu veröffentlichen: „Jetzt schreibe ich ein wenig ins Leere, muss einen neuen Verlag suchen. Aber ich sehe das auch als Chance, nach den Sternen zu greifen“, versucht sie positiv zu bleiben. „Leid tut es mir vor allem für die tollen Verlagsmitarbeiterinnen, für mich als freischaffende Künstlerin ist es ja Teil des Geschäfts, immer wieder vor dem Nichts zu stehen“, sagt Haidacher.
Literatur verlegen: „Macht man nicht für das Geld“
Die Entscheidung von Leykam spiegelt auch, wie schwer es geworden ist, mit Büchern Geld zu verdienen. „Als kleiner Verlag wird es immer schwieriger bei Buchhandelsketten unterzukommen. Auch die mediale Wahrnehmung wird weniger – es gibt weniger Platz für Rezensionen“, sagt Annette Knoch, Leiterin des Droschl Verlags in Graz. Aber sie weißt auch: „Literatur zu verlegen – das macht man nicht wegen des Geldes, sondern aus Liebe zur Kunst.“
Bei Leykam setzt man künftig übrigens ganz auf die Sparten Wissenschaft und Pädagogik – diese sind durch Druckkostenzuschüsse leichter zu finanzieren.
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