Was früher klingelnde Telefone, lange E-Mail-Ketten und viel Papierarbeit bedeutete, erledigt heute künstliche Intelligenz – und das mitten im Mostviertel. Die Schorm Gesellschaft m.b.H. aus St. Valentin zeigt eindrucksvoll, wie moderne Technologie auch in einem traditionsreichen Betrieb für Entlastung sorgen kann.
Möglich gemacht wurde das Projekt durch das Impulsprogramm „Digi-4-Wirtschaft“, finanziert vom Land Niederösterreich und der Wirtschaftskammer Niederösterreich.
„Durch die Unterstützung mit der KI erwarten wir uns eigentlich im administrativen Bereich schon rund 30 Prozent Ersparnis“,
Firmenchef Bernhard Schorm.
Und diese Entlastung ist dringend notwendig.
47 Jahre Erfahrung – tausende Produkte
Die Firma Schorm ist seit fast einem halben Jahrhundert fixer Bestandteil der regionalen Wirtschaft. „Wir sind ein kunststoffverarbeitendes Unternehmen, das es seit 47 Jahren gibt“, erklärt Schorm. Der Betrieb beliefert 186 Kunden mit über 2.000 verschiedenen Produkten – quer durch alle Branchen.
Ein zweites, weithin bekanntes Standbein sind die Mehrwegbecher, die gemeinsam mit der Landjugend und Abfallverbänden entwickelt wurden. „Hier haben wir 38.600 Kunden, die wir rund um den Globus beliefern“, so der Unternehmer.
Insgesamt zehn Mitarbeiter halten den Betrieb am Laufen – und genau diese sollen ihre Zeit nicht am Telefon, sondern in der Produktion verbringen.
Die KI hebt ab – auch nach Geschäftsschluss
Gemeinsam mit der SRG IT & Marketing GmbH aus Gramastetten wurde daher ein innovativer Schritt gesetzt: Ein KI-Telefonagent übernimmt einen großen Teil der Anrufe.
„Im ersten Step wurde ein KI-Agent für das Telefon implementiert. Dieser beantwortet klassische Fragen wie ‘Wann ist geöffnet?‘ oder ‘Welche Produkte gibt es?‘, kann aber auch Bestellungen aufnehmen und aufheben“, erklärt Stefan Muntean von SRG IT & Marketing.
Das sei wichtig, denn: Gerade langjährige Kunden bestellen immer noch gerne telefonisch. „Die wollen keine E-Mail schicken und schon gar nicht im Webshop bestellen. Das ist einfach ein administrativer Aufwand, der sehr viel Zeit kostet“, so Muntean.
Der große Vorteil daran: Bestellungen sind nun auch außerhalb der Öffnungszeiten möglich. Und wer nicht mit der KI sprechen möchte: „Dann gibt’s natürlich immer noch die Möglichkeit, dass der Kunde telefonisch weiterverbunden wird“, betont Muntean.
KI beobachtet auch die Konkurrenz
Doch damit nicht genug. Ein zweiter KI-Agent behält ständig die Marktpreise im Blick. „Er überwacht die Preise der Mitbewerber und alarmiert: Achtung, Konkurrent X ist unter euch gegangen oder hat jetzt eine Aktion“, erklärt Muntean.
Sogar automatische Preisanpassungen wären theoretisch möglich – natürlich nur nach Freigabe. Ein digitales Frühwarnsystem, das dem Betrieb wertvolle Wettbewerbsvorteile verschafft.
Dabei keine Jobs verloren gegangen
Die KI kann Aufgaben übernehmen, für die sonst mehrere Personen nötig wären. Doch ersetzt wurde niemand: „Wir haben es einfach nicht geschafft, Mitarbeiter für diese Tätigkeiten zu finden“, sagt Firmenchef Bernhard Schorm ganz offen.
Genau daraus entstand die Idee. „Wir haben uns gefragt: Wo bekommen wir Unterstützung her, die uns bei den Bürotätigkeiten hilft und uns auch zukunftsfit macht“, so der Unternehmer abschließend.
Ein Beispiel, das zeigt: Künstliche Intelligenz ist im Mostviertel angekommen – und hebt dort nicht nur Telefone ab, sondern ganze Betriebe auf ein neues Niveau.