Aberwitzig: Regisseur Branko Janack bringt Barbi Markovics grandiosen Erzählband „Minihorror“ im Grazer Schauspielhaus auf die Bühne.
Eigentlich sind Mini und Miki ein ganz normales Paar: Sie stammt aus Serbien, er aus der österreichischen Provinz, für das Chaos in ihrer Wiener Wohnung sind sie beide in gleichem Maße verantwortlich – genauso wie für die chaotische Beziehung, die sie führen.
Doch Mini und Miki haben ein Problem: Immer wieder kippt ihr Alltag in comichaften oder auch horrorfilmartigen Wendungen ins Absurde. Wenn Miki in der Lugner City einkaufen geht, sieht er sich plötzlich mit einer Heerschar seiner Doppelgänger konfrontiert. Im Urlaub im Süden wechselt Mini plötzlich die Identität mit der Kellnerin, die sie so fasziniert. Und auch die Familienbesuche, die das Paar unternimmt, enden nie harmonisch – sondern scheintot in einem Grab, oder mit einem Mund voller blutender Kekse.
Die kurzen, vor Wortwitz schillernden Texte aus Barbi Markovics Erzählband „Minihorror“ sind wie gemacht für die Bühne. Dementsprechend ist das Schauspielhaus auch nicht das erste Theater, welches das 2024 mit dem Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnete Werk auf die Bühne bringt.
Schauspiel an rustikalen Holztischen
Doch Regisseur Branko Janack hat einen tollen Zugang zu diesen Texten über die düsteren Skurrilitäten eines „normalen“ Lebens, die absurden Assimilationsbemühungen von Zuwanderern und den Horror des Provinziellen (auch mitten in der Großstadt) gefunden: Das Publikum sitzt an rustikalen Holztischen und bekommt die Szenen vom grandiosen Ensemble (Louie Krüger, Zeljko Marovic, Luiza Monteiro, Anke Stednigk und Amelie Steinweiß) nicht nur in deftigen Häppchen serviert, sondern wird mithineingezogen in den Akt des Erzählens – muss Requisiten halten, Stichworte liefern und als Komparsen bereitstehen.
Janack macht das Schauspiel, das Vorspielen falscher Tatsachen, zu einer weiteren Wahnwitzigkeit des Lebens, aus der es für das Publikum (zumindest für 90 grandios unterhaltsame Theaterminuten) kein Entkommen gibt.
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