Keine Entschuldigung
Edathy an geheimen Ort: “Ich bin nicht pädophil”
"Man muss daran keinen Gefallen finden, man darf es aber", verteidigte der Ex-SPD-Abgeordnete, der sich laut "Spiegel" an einem geheimen Ort in Südeuropa aufhält, den Erwerb des umstrittenen Bildmaterials. Wenn jemand das nicht gut finde, "kann ich das verstehen", sagte er gegenüber dem Nachrichtenmagazin. In der Kunstgeschichte habe der männliche Akt aber eine lange Tradition, auch der Kinder- und Jugendakt, so Edathy, gegen den wegen des Verdachts auf Besitz von Kinderpornografie ermittelt wird.
"Es ist eine völlig surreale Lage"
Eine Entschuldigung lehnte er ab. Die gekauften Nacktbilder seien nicht illegal. "Ich muss und werde mich für mein Privatleben nicht entschuldigen oder rechtfertigen. Niemand, der sich im privaten Bereich rechtskonform verhält, muss das." Der Schutz der Privatsphäre sei elementar für einen Rechtsstaat, betonte Edathy, der beklagte, er sei in Deutschland gewissermaßen verfemt. "Es ist eine völlig surreale Lage, in der ich bin: Meine Arbeit, meine Privatsphäre und mein Zuhause - alles das ist erst mal weg." Ihm fehle gegenwärtig die Fantasie zu sagen, "was ich wann aus meinem Leben machen kann".
Edathy will nach Deutschland zurück
Im "Spiegel"-Gespräch machte der Ex-Abgeordnete aber deutlich, dass er gern nach Deutschland zurückkehren würde. Ein Versuch sei jedoch bereits gescheitert. Er habe nach Hause reisen wollen, um einige persönliche Angelegenheiten zu regeln. "Ein Nachbar wies mich darauf hin, dass sich vor dem Haus drei Autos mit Journalisten und zwei mit Neonazis befinden würden. Ich habe auf die Fahrt dann verzichtet", so Edathy.
Erneut bestritt der Soziologe und Sprachwissenschaftler, dessen Vater in den 60er-Jahren aus Indien nach Deutschland kam, Beweismittel beiseite geschafft zu haben. Sein verschwundener Bundestags-Laptop, von dem er nach seiner Erinnerung auch die fraglichen Nacktbilder bestellt habe, sei gestohlen worden - auf einer privaten Zugreise aus Nordrhein-Westfalen nach Amsterdam bei einem längeren Aufenthalt in Bad Bentheim.
Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Ex-Minister
Im Zusammenhang mit der Edathy-Affäre ermittelt die Berliner Staatsanwaltschaft mittlerweile auch gegen den als Bundesminister zurückgetretenen CSU-Politiker Hans-Peter Friedrich. Es geht um möglichen Geheimnisverrat. Er hatte im Oktober 2013 während der Koalitionsverhandlungen - als damaliger Innenminister - SPD-Chef Sigmar Gabriel darüber informiert, dass der Name Edathy bei Ermittlungen im Ausland aufgetaucht war.
Darüber hinaus gibt es auch massive Kritik an der niedersächsischen Justiz und am Bundeskriminalamt. Den Behörden wird vorgehalten, die Ermittlungen monatelang verschleppt zu haben. Das BKA war in dem Fall unter anderem in die Kritik geraten, weil die Behörde den Namen des früheren SPD-Abgeordneten zunächst nicht auf der Kundenliste eines kanadischen Anbieters von Kinderporno-Material erkannt hatte.
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