Angestellte im Visier

Plötzlich fehlten Liftkarten um 31.000 Euro

Steiermark
24.11.2025 18:30

Wo sind Liftkarten im Wert von 31.000 Euro hin verschwunden? Mit dieser Frage musste sich am Montag in Graz Richterin Kornelia Philipp auseinandersetzen. Bei dem Prozess gegen eine ehemalige Angestellte kommt rasch heraus, dass das Buchungssystem in diesem Skigebiet weniger auf Kontrolle als auf Vertrauen basierte.

Die angeklagte Ungarin mit dem Doktortitel, gegen die parallel ein arbeitsrechtlicher Prozess läuft, bekennt sich am Montag in Graz nicht schuldig. „Sie war ja nicht alleine an der Kassa tätig, sogar fremde Personen hatten leicht Zugang“, betont ihr Verteidiger. Zudem seien auch Übertragungsfehler beim digitalen Buchungssystem durchaus möglich.

Insgesamt sollen in dem steirischen Skigebiet in zwei Saisonen Liftkarten im Wert von mehr als 31.000 Euro verschwunden sein. Im Detail geht es um sogenannte Zeitwertkarten. „Die beliebtesten Spezialkarten, weil sie übertragbar, wiederaufladbar und zusammenlegbar waren“, erklärt die angeklagte Ex-Mitarbeiterin. „Es hat sich wie ein Lauffeuer herumgesprochen, dass wir die haben.“

„System war leicht auszunützen“
Und das mit dem Zusammenlegen war die Krux an der Sache. Denn wenn Skifahrer Reststunden von einer Liftkarte auf eine neue übertrugen, musste die alte an der Kassa (eigentlich) gelöscht werden. Ob die Karte aber wirklich vernichtet oder möglicherweise doch illegal weitergegeben wurde, fiel im Buchungssystem nicht weiter auf, denn es gab keine Belege. „Super System“, so Richterin Kornelia Philipp trocken. „Deswegen konnte man es ja so leicht ausnützen“, wirft der Anwalt der Skiliftbetreiber ein.

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Das Buchungssystem war Vertrauenssache. Aber wahrscheinlich wäre es schlauer gewesen, nur eine Person damit zu betrauen.

Der ehemalige Junior-Chef

Am Abend sei bei der Kassa immer ein Haufen dieser alten Karten gelegen. „Wer gerade in der Nähe war, hat sie gelöscht“, so die Angeklagte. „Und wenn sie nicht gelöscht worden wären, hätte man sie doppelt ausgeben können?“, fragt die Richterin. „Ja“, gibt die Ungarin zu.

„Kassa war ein offener Bereich“
Der ehemalige Junior-Chef gesteht: „Das Buchungssystem war Vertrauenssache. Aber wahrscheinlich wäre es schlauer gewesen, nur eine Person damit zu betrauen.“ Auf die Frage, ob der Kassabereich tatsächlich frei zugänglich war, erklärt er: „Ja, es war ein offener Bereich. Es gab zwar eine Kamera, aber ob die aufgezeichnet hat, weiß ich nicht.“

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Wenn die Skikarten nicht gelöscht worden wären, hätte man sie doppelt ausgeben können? - Ja.

Frage der Richterin an die Angeklagte

Erst dem neuen Management fielen schließlich die Malversationen auf. „Ein Bus aus Ungarn kam einmal mit 50 alten Zeitwertkarten und der Reiseleiter meinte, er hätte sie von der Angeklagten“, betont der neue Betriebsleiter. Zwei Monate später kam wieder ein Reisebus. „Dann begannen meine Recherchen“, so der Zeuge.

„Was sagen Sie dazu?“, will die Vorsitzende von der Angeklagten wissen. „Der Reiseleiter konnte doch gar kein Deutsch. Und außerdem waren das einfach alte Karten, die wiederverwendet wurden. Viele Gäste kamen ja schon seit Jahren.“ Weil vier Zeugen nicht erschienen waren, musste vertagt werden.

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