Oper Graz

Ein „Rigoletto“ zwischen Wucht und Wohlklang

Steiermark
16.11.2025 15:30

Die Grazer Oper zeigt Giuseppe Verdis „Rigoletto“ in einer klaren und gut nachvollziehbaren Inszenierung. Bariton Nikoloz Lagvilava setzt in der Titelrolle auf Wucht, Dirigent Vassilis Christopoulos im Orchestergraben auf Wohlklang.

Es ist das moralische Grunddilemma in Rigolettos Leben: Als Hofnarr ist er ein essenzieller Teil jener degenerierten Hofgesellschaft, vor deren Zugriff er seine Tochter Gilda schützen will. Doch Liebe und Leidenschaft lassen sich nun mal nicht ewig wegsperren und so kommt es in Giuseppe Verdis erster großer Oper, wie es kommen muss. Gilda verliebt sich just in den Herzog, der quasi der „Posterboy“ von Rigolettos Angstfantasien ist – und damit wird eine höchst dramatische Spirale in Gang gesetzt, an deren Ende Gilda tot und Rigoletto von Rachegelüsten zerfressen sein wird.

Verlust als Keim des egozentrischen Leidens
Regisseurin Ute M. Engelhardt hat für ihren Grazer „Rigoletto“ keinen besonders ausgefallenen oder extrem neuen Zugang gesucht. Vielmehr bringt sie den Opernklassiker dramaturgisch klar und gut nachvollziehbar auf die vielseitige Bühne von Stephanie Rausch. Sie präsentiert aber immerhin einen klaren Grund, warum Rigoletto zu dem Zyniker wurde, der er ist: Während der Ouvertüre lässt sie ihn als Jungvater mit Frau und Kinderwagen über die Bühne stolzieren. Doch dann verschwindet Gildas Mutter und taucht fortan nur noch als Geist oder Todesengel auf. Dieser Verlust ist der Keim seines egozentrischen Leidens. 

Pavel Petrov als leidenschaftlicher Herzog
Pavel Petrov als leidenschaftlicher Herzog(Bild: Werner Kmetitsch)

Der georgische Bariton Nikoloz Lagvilava hat diesen Rigoletto schon in halb Europa gesungen – nun auch in Graz. Ausdrucksstark und sehr kraftvoll legt er seine Paraderolle stimmlich an – hie und da geht das auf Kosten der emotionalen Zwischentöne, großteils ist die Performance aber umwerfend. Genau umgekehrt ist die Lage bei Pavel Petrov als Herzog: Er ist stimmlich wunderbar agil, glänzt besonders mit leisen Tönen (etwa im großen Liebesduett mit Gilda), teilweise fehlt seinem Timbre aber die durchschlagende Strahlkraft.

Unschuldige Süße und herbe Selbstbestimmtheit
Ekaterina Solunya vervollständigt als Gilda das vom Schicksal vereinte Trio im Zentrum der Oper. Sie findet sowohl in ihrer Darstellung als auch im Klang  eine wunderbare Balance zwischen unschuldiger Süße und herber Selbstbestimmtheit. In den Nebenrollen wissen vor allem Daeho Kim als Monterone, Wilfried Zelinka als Sparafucile und Neira Muhic als Maddalena Akzente zu setzen.

Star des Abends sind aber einmal mehr die Grazer Philharmoniker unter Vassilis Christopoulos, die (auch gemeinsam mit dem Chor der Oper Graz) die Schönheit von Verdis Musik zelebrieren. Mitunter geht das zwar auf Kosten der Dynamik, doch das nimmt man gerne in Kauf für den Wohlklang, den man den Großteil des Abends genießen darf. 

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