Niederösterreichs Mediziner-Vertreter empfehlen ihren Kassenärzten, dass die Patienten künftig für den Impfpass-Check 30 Euro bezahlen sollen – als Mittel, die hohe Impfskepsis zu mindern.
Immer verheerender werden die Impfzahlen in Österreich: Bei der Immunisierung gegen Keuchhusten lag Österreich 2024 in der EU an letzter Stelle. In Niederösterreich gab es da auch mit 2100 Keuchhusten-Erkrankungen einen Ausreißer nach oben, 2023 und auch heuer waren nur 140 Fälle.
Nach Rumänien verzeichnete man zudem die meisten Masernfälle Europas. Recht mager ist auch die Durchimpfungsrate gegen Gebärmutterhalskrebs, bei der Niederösterreich das zweitschlechteste Bundesland ist.
Vertrauensvolle Impfberatung gegen Geld
Einen elementaren Grund für die massive Impfskepsis sieht die NÖ-Ärztekammer in ausgelasteten Arztpraxen und dass die Krankenkasse (ÖGK) nichts für eine vertrauensvolle Impfberatung, die viel Zeit koste, zahlt. Denn nur Ärzte würden die gesamte Krankheitsgeschichte des Patienten kennen und so zum besten Impfschutz raten können.
Nun empfiehlt die Kammer ihren Kassenärzten, 30 Euro für einen „Impfpass-Check“ einzuheben. „Frühzeitige, ärztliche Aufklärung kann Leben retten – vor allem bei RS-Viren, Masern und in der Schwangerschaft“, betont Kurienobfrau Dagmar Fedra-Machacek. Impfungen während der Schwangerschaft seien für viele werdende Mütter tabu geworden, obwohl gerade diese oft extrem wichtig für das Ungeborene sind, so die Allgemeinmedizinerin.
„Mit der entsprechenden Durchimpfungsrate sind alle geschützt“, stößt Gesundheitslandesrätin Eva Prischl in dasselbe Horn. Allerdings: „Entscheidend dafür ist ein niederschwelliges, bürgernahes und hürdenfreies Angebot an Aufklärung, Beratung und Impfung“, sieht sie die 30-Euro-Hürde kritisch – der NÖ-Impfbus ist derzeit wieder kostenlos unterwegs.
ÖGK sieht Leistung mit Impfhonorar abgegolten
„Für Impf-Angebote, die von der ÖGK abgerechnet werden, ist die Leistung mit der Honorierung des Impfstichs abgegolten“, reagiert die ÖGK befremdet auf den Kammer-Vorstoß. Ein Impf-Check sei keine Krankenbehandlung – daher keine Kassenleistung.
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