Gruppengrößen bleiben

Kindergarten-Personal ist verärgert über Politik

Steiermark
11.11.2025 17:00

Die steirische Politik steigt bei der Verkleinerung der Kindergartengruppen auf die Bremse. In den Einrichtungen fühlt man sich vor den Kopf gestoßen: „Kinder und Personal bezahlen jetzt dafür, dass die politischen Hausaufgaben nicht gemacht wurden“, sagt Kinderbetreuer Max Werschitz.

Vor einer Woche verkündete von Bildungslandesrat Stefan Hermann (FPÖ), dass die Kindergartengruppen langsamer verkleinert werden als geplant. Das politische Echo ließ nicht lange auf sich warten: „Wenn heute Kindergartenplätze fehlen, liegt das nicht an der Gruppenverkleinerung, sondern daran, dass die Landesregierung den Ausbau jahrelang verschlafen hat“, wetterte NEOS-Chef Niko Swatek.

Enttäuscht sind aber vor allem auch die Pädagogen. Eine jahrelange Forderung ist in die Brüche gegangen. „Wir wurden zwei Stunden vor dem Pressetermin zum Gespräch geladen“, erzählt Max Werschitz von der Initiative „Kinder brauchen Profis“. Man sei vor vollendete Tatsachen gestellt worden, anstatt mitreden zu können.

Die Absenkung der Gruppengröße war die einzige spürbare Gesetzesänderung der letzten Jahre und Jahrzehnte.

Max Werschitz

Initiative Kinder brauchen Profis

„Die Absenkung der Gruppengröße war die einzige spürbare Gesetzesänderung der letzten Jahre und Jahrzehnte. Kinder und Personal bezahlen jetzt dafür, dass die politischen Hausaufgaben nicht gemacht wurden“, sagt Werschitz, der selbst als Kinderbetreuer in Graz tätig ist.

Wissenschaftliche Empfehlung in weiter Ferne
Die Gruppengröße von aktuell 22 sei weit weg von optimal – selbes gelte für die Zahl 20, die nach neuem Plan nun 2031/2032 erreicht werden soll. So empfiehlt eine Untersuchung unter Beteiligung des Bildungsministeriums („TSI-Projekt“) Gruppengrößen von 15 bis 18 Kindern bei Drei- bis Sechsjährigen. „Kleinere Gruppen bedeuten mehr Beziehung, mehr Beobachtung, mehr Förderung – und damit bessere Chancen für jedes Kind“, betont auch Alexandra Obendrauf, Obfrau von Elementar Steiermark.

Grundsätzlich gilt es festzuhalten, dass sich die Landesregierung klar weiterhin zur Absenkung der Gruppengröße bekennt und sich deshalb bewusst zu einer Streckung der Absenkung statt einer Aussetzung – wie dies etwa in Kärnten der Fall ist – entschlossen hat.

Stefan Hermann

Bildungslandesrat (FPÖ)

„Natürlich sehen wir den Druck, unter dem viele Gemeinden stehen. Fachkräftemangel und fehlende Raumkapazitäten sind reale Probleme“, meint sie weiter. Diesbezüglich verweist sie jedoch auf die Möglichkeit, mit einer zusätzlichen Betreuungskraft auf 25 Kinder aufzustocken. Dieses Angebot, das zur kurzfristigen Überbrückung dient, wurde zuletzt für etwa zehn Prozent der Gruppen beantragt, heißt es aus dem Büro von Stefan Hermann.

Schleppender Ausbau in Graz
Der Bildungslandesrat sagt: „Der Ausbau der Kinderbetreuungseinrichtungen schreitet quer durch die Steiermark – mit Ausnahme der Landeshauptstadt – gut voran.“ Die demografische Entwicklung und die Ankündigung eines zweiten verpflichtenden Kindergartenjahres sorgen jedoch für Handlungsbedarf. „Grundsätzlich gilt es festzuhalten, dass sich die Landesregierung klar weiterhin zur Absenkung der Gruppengröße bekennt und sich deshalb bewusst zu einer Streckung der Absenkung statt einer Aussetzung – wie dies etwa in Kärnten der Fall ist – entschlossen hat.“

Die Interessensvertreter denken nun laut über weitere Schritte nach. „Wir werden weiterhin deutlich machen, dass Qualität in der Elementarpädagogik kein Luxus ist, sondern die Grundlage für Bildungsgerechtigkeit“, betont Obendrauf. Weitere wunde Punkte, auf die sie aufmerksam machen, sind fehlende „Springer“ (etwa bei Krankenständen) und der Nachholbedarf bei Kindern mit Verhaltensauffälligkeiten. Auch Kinderkrippen dürfe man nicht außer Acht lassen.

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