Kampf gegen Smog

"Genosse Nordwestwind" kommt Chinesen zu Hilfe

Ausland
26.02.2014 15:28
Nach einer Woche schlimmen Smogs haben die Bewohner von Peking am Mittwoch erstmals wieder aufatmen können. Eine Kaltfront brachte am Abend Wind und leichten Regen, so dass die hohen Schadstoffkonzentrationen in der Luft zurückgingen. Der Smogalarm der zweithöchsten Stufe "Orange", der erstmals in der Hauptstadt gegolten hatte, wurde wieder aufgehoben. "Genosse Nordwestwind kommt uns im Kampf gegen den Smog zur Hilfe", schrieben Blogger.

Der Index zur Messung der Schadstoffwerte fiel zuletzt von "gefährlichen" 400 bis 500 auf nur noch "ungesunde" 160 - das entspricht dem Sechsfachen des von der Weltgesundheitsorganisation empfohlenen Grenzwerts. Allerdings wurden an anderen Orten im Norden und Osten des Landes immer noch hohe Luftverschmutzungen gemessen.

In der Nacht auf Mittwoch war in der chinesischen Hauptstadt für den gefährlichen Feinstaub der Spitzenwert von 577 gemessen worden - was dem 23-fachen des von der Weltgesundheitsorganisation empfohlenen Grenzwerts entsprach. In einem Gebiet mit rund 400 Millionen Menschen galt seit Montag die Alarmstufe "Orange".

Wissenschaftler warnen vor "nuklearem Winter"
Die Auswirkungen des anhaltenden Smogs, der die Sonne nicht durchkommen ließ, verglichen chinesische Wissenschaftler mit einem "nuklearen Winter". Sie warnten eindringlich vor Ernteausfällen. Die Schadstoffe werden von China sogar bis in die südkoreanische Hauptstadt Seoul herübergeweht.

In Seoul wurden am Mittwoch den sechsten Tag nacheinander bedenkliche Feinstaubwerte gemessen, die vier- bis fünfmal über den normalen Werten lagen, wie der Rundfunksender KBS berichtete. In Seoul und der umliegenden Provinz Kyonggi wurde seit Montag offiziell vor Ultrafeinstaub gewarnt. Körperlich Schwachen und Kindern wurde von Aktivitäten im Freien abgeraten.

Chinesischen Händlern gehen die Atemmasken aus
Angesichts des anhaltenden Smogs gehen chinesischen Onlinehändlern die Atemmasken aus. Von den 29 Modellen auf der US-Internetplattform Tmall.com waren am Mittwoch 26 ausverkauft oder nicht verfügbar. Die Onlinehändler Totobobo und Vogmask haben bis zum 1. April keine Masken mehr im Angebot - beziehungsweise nur noch solche für Kinder.

Der Vergleich mit dem "nuklearen Winter" erregte in China unterdessen viel Aufsehen. Wie bei der Verdunklung und Abkühlung der Erdatmosphäre wegen Staub und Rauch nach einem Atomschlag bekämen Pflanzen auch bei Smog weniger Sonnenlicht, wodurch die Ernte "auf jeden Fall" beeinträchtigt werde, sagte He Dongxian, Dozentin der Landwirtschaftsuniversität in Peking.

Wachsende Sorge um Qualität der Ernte
"Bei einem Smogtag wird die Sichtweite reduziert - das heißt, die Lichtstärke für Pflanzen wird verringert", erläuterte die Forscherin. "Die Fotosynthese wird geschwächt, was großen Einfluss auf das Wachstum nicht nur der Blätter, sondern auch der Samen und der Früchte hat." Dadurch verschlechtere sich nicht nur die Menge, sondern auch die Qualität der Ernte.

"Besonders im Winter und Anfang des Frühjahrs nimmt der Smog zu, was vor allem die landwirtschaftliche Produktion in Glashäusern stark beeinträchtigt." Mit anderen Wissenschaftlern führt He Dongxian Experimente mit Saatgut durch: "Da wir so viele Smogtage hatten, hat die Saat vom Jänner noch nicht gekeimt, obwohl sie normalerweise schon sprießen müsste."

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