Polit-Revolution
Viel Frauenpower in neuer italienischer Regierung
Renzi, der sich gern als "Verschrotter" bezeichnet, weil er Italiens alte politische "Kaste" von den Machtpositionen vertreiben und der jüngeren Generation mehr Entscheidungsmöglichkeiten sichern will, hat sein Versprechen gehalten und 50 Prozent der Ministerposten an Frauen vergeben, was für die bisher männerdominierten italienische Verhältnisse fast revolutionär erscheint. Dabei übernehmen Frauen in Rom gewichtige Schlüsselämter und nicht irrelevante Ministerien wie in den vergangenen Jahren.
Die 52-jährige Sozialdemokratin Roberta Pinotti zieht als erste Frau in der Geschichte des Landes ins Verteidigungsministerium ein. Zur Außenministerin rückt die 40-jährige Federica Mogherini auf. Die PD-Parlamentarierin entthronte dabei die erfahrene Politikerin und Ex-EU-Kommissarin Emma Bonino.
Auch bei Wirtschaftsfragen werden Ministerinnen im Kabinett Renzi das Sagen haben. So wird die 44-jährige Unternehmerin und Ex-Präsidentin von Italiens jungen Industriellen, Federica Guidi, zur neuen Industrieministerin. Sie wird eine entscheidende Rolle bei der Bestimmung der Strategien zur Förderung des Wirtschaftswachstums in Italien spielen.
Mafia-Bekämpferin wird Regionenministerin
Die Chefin der Zentrumspartei Scelta Civica, Stefania Giannini, übernimmt das Bildungsministerium, während die Mitte-rechts-Politikerin Beatrice Lorenzin als Gesundheitsministerin im Amt bestätigt wurde. Auch an die Spitze des Regionenministeriums hievte Renzi eine Frau: Dabei handelt es sich um eine Ikone im Kampf gegen die Mafia, Maria Carmela Lanzetta. Die ehemalige Bürgermeisterin der kleinen Ortschaft Monasterace in der von der 'Ndrangheta stark kontrollierten Provinz Reggio Calabria ist seit zwei Monaten Mitglied des Führungsgremiums von Renzis PD.
Jüngstes Mitglied in Renzis Mannschaft ist die 33-jährige Reformenministerin Maria Elena Boschi. Die Ministerin für die bürokratische Vereinfachung, Marianna Madia, ist 34 Jahre alt.
In Italiens Politik ist schon seit Monaten eine "rosa Revolution" im Gange. Aus den Parlamentswahlen im Februar 2013 war dank des unerwartet großen Wahlerfolgs der Protestbewegung Fünf Sterne um den Starkomiker Beppe Grillo das jüngste Parlament aller Zeiten mit der höchsten Zahl an Frauen in der republikanischen Geschichte des Landes hervorgegangen.
31 Prozent der Parlamentarier sind Frauen, was zwar im Vergleich zu den skandinavischen Ländern mit Frauenquoten von weit über 40 Prozent nicht gerade umwerfend, für Italien jedoch bedeutsam ist. In der vergangenen Legislaturperiode lag der Prozentsatz der Frauen im römischen Parlament lediglich bei 20 Prozent.












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