23.01.2014 11:45 |

21. Jänner 2014

Die Isländer

Das ist nicht lustig, sondern eine Zumutung: Nach der satirisch gemeinten Aussage "Die Isländer sind wie die Nazis 1938, sie schlachten die Österreicher ab!" dürfte der in seiner Heimat bekannte Comedian Bjorn Nragi Amarson nie wieder im Fernsehen auftreten – wer bei einer Handball-Übertragung derart übers Ziel hinausschießt, ist auch für weitere Eigentore (un)gut.

Das größte, politische Verbrechen der Geschichte auf eine Ebene mit einem Spiel zu stellen ist einfach unerträglich.

Der schockierende Vergleich zeigt auch den Umgang der Isländer mit dem Nationalsozialismus: Er ist, das muss ich nach mehr als zehn Reisen auf diese faszinierende Insel mit ihren reizenden Menschen leider sagen, von Ahnungslosigkeit geprägt – das beweist auch die "Pointe", die eigentlich eine Geschichtsfälschung ist: Denn sie stellt die Österreicher als reine Opfer dar, obwohl nicht wenige unserer Landsleute selbst zu den Schlächtern zählten.

Die kleine, germanische Nation, die von dänischen und norwegischen Einwanderern abstammt, war nie von den Nazis besetzt und kennt die Greuel nur aus Büchern. Obwohl die 320.000 Einwohner zu den völkisch geprägten, nordischen Ritualen ihrer Vorfahren eine enge religiöse und spirituelle Beziehung haben, ist den meisten Rassismus fremd – während des Zweiten Weltkriegs hatte die braune Partei nie mehr als 400 Mitglieder.

Daher ist ihr Umgang mit Symbolen, die für uns äußerst abschreckend wirken, ein eher lockerer: Während in deutschsprachigen Ländern etwa das Hakenkreuz streng verboten ist, findet man es in Island gelegentlich als leuchtendes Zeichen vor Apotheken.
Das mag den Skandal bei der Handball-EM erklären, aber niemals entschuldigen.

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