Do, 16. August 2018

Immer noch spitze

13.01.2014 15:59

Für immer jung: Super-Oldies über 40 am Vormarsch

Altersmüdigkeit? Keine Spur! Noriaki Kasai, Ryan Giggs und Co. weisen ihre potenziellen Erben auch mit (teils deutlich) über 40 noch lustvoll in die Schranken. Dank ausgefeilter Technik, beängstigender Abgebrühtheit und immenser Willensstärke scheinen nicht wenige Super-Oldies die Gesetze der Biologie auszuhebeln. Und sie haben noch lange nicht genug.

"Schlieri" war baff. Wie Altmeister Noraki Kasai beim Skifliegen am Kulm seinen deutlich jüngeren Konkurrenten um die Ohren segelte - das verlangte dem rot-weiß-roten Super-Adler höchsten Respekt ab. Ehrfürchtig verbeugte sich Schlierenzauer vor "Opa Noriaki" nach dessen 197-Meter-Satz.

Im Juni wird Kasai 42 Jahre jung. Und denkt nicht daran, leiser zu treten. Der Sieg am Kulm, sein erster seit fast zehn Jahren, hat den "Jagdtrieb" in ihm offenbar zum x-ten Mal geweckt. "Ich habe noch keine Olympia-Einzelmedaille. Das ist mein nächstes Ziel."

Altmeister trumpfen auf
Dabei ist Kasai bei Weitem nicht der einzige Weltklasse-Athlet mit dem Vierer vorne. Ein (nicht repräsentativer) Streifzug durch verschiedene Sportarten beweist: Die Rentner-Gang muckt auf.

  • Ryan Giggs, 40: Als sein Name im Sommer 2013 via Agenturmeldungen in die Sportredaktionen Europas flatterte, dachten nicht wenige Journalisten, das ManU-Urgestein verkünde sein Karriereende. Mitnichten! Der Edelzangler ließ lediglich verlautbaren, künftig als eine Art Spielertrainer bei den "Red Devils" zu fungieren. 13 Titel, darunter zweimal die Champions League, holte der graumelierte High-Speed-Dribbler bereits nach Old Trafford. Heuer wird eher keiner dazu kommen.
  • Kimiko Date-Krumm, 43: 6:0, 6:2 - mit diesem humorlosen Ergebnis schoss die damals "nur" 42 Jahre alte Japanerin im Vorjahr "Tennis-Baby" Carina Witthöft, damals 18, in der ersten Wimbledon-Runde vom heiligen Rasen. Auch mit 43 drischt Kimiko noch erbarmungslos auf die Filzkugel ein, nachdem sie 1996 eigentlich schon ihre erste Karriere beendet hatte. "Mit der Familienplanung hat's bei ihr aber leider nicht so geklappt, wie sie sich das vorgestellt hat", erklärt Österreichs Tennis-Beauty Barbara Schett krone.at. Und so entschloss sich Kimiko, mittlerweile verheiratet, 2008 mit 38 Jahren zum Comeback und hält sich bis heute in der Weltspitze. "Es glaubt ja kein Mensch, dass sie schon 43 ist", schumzelt Schett.
  • Javier Zanetti, 40: Achillessehnenriss! Die Diagnose traf die Inter-Mailand-Fans im Frühjahr 2013 wie der Blitz. Ausgerechnet ihr Liebling, der Langzeitkapitän der Blau-Schwarzen, zog sich beim 0:1 gegen Palermo diese schwere Verletzung zu. Zanetti war damals 39 Jahre alt. Von Rücktritt wollte der unermüdliche Rackerer aber nichts wissen. "Meine Karriere ist sicher noch nicht zu Ende", posaunte er. Und er hielt Wort. Mit 40 feierte er sein umjubeltes Comeback - als Kapitän, versteht sich. Fünfmal holte er mit Inter bisher die Meisterschaft, viermal den Pokal, einmal die Champions League.
  • Jaromir Jagr, 41: Das Jahr 2014 begann für die tschechische Eishockey-Legende gut. Beim 2:1 n.V. seiner New Jersey Devils gegen die Florida Panthers verbuchte der 41-Jährige in der NHL den 1.724 Scorer-Punkt seiner Karriere. Jagr ließ damit seinen ehemaligen Pittsburgh-Teamkollegen Mario Lemieux hinter sich. Nicht weiter verwunderlich, dass Tschechiens Nationaltrainer Alois Hadamczik den Altmeister in den Olympia-Kader für Sotschi nominierte. "Solche Qualitäten und moralischen Eigenschaften brauchen wir", sagte Hadamczik. Für Jagr wird es die fünfte Olympia-Teilnahme seiner aktiven Karriere.
  • Noriaki Kasai, 41: Platz fünf bei der Vierschanzentournee, Tagessieg am Kulm, Platz drei im Skiflug-Weltcup. Kasai läuft mit 41 noch einmal zur Höchstform auf. "Ich bin etwas älter, aber körperlich und physisch stark und habe Erfahrung", analysiert er staubtrocken. Seine außergewöhnlichen Fähigkeiten haben ihm u.a. bereits zu 16 Weltcupsiegen, einmal WM-Gold und einmal Olympia-Silber im Teambewerb verholfen. Ob in Sotschi noch einmal Edelmetall dazukommt?

Noch wertet die Wissenschaft derartige Spitzenleistungen im "hohen" Alter als statistische Ausreißer. Ein Trend, wonach Spitzensportler ihren Job immer öfter mit über 40 ausüben können, lässt sich derzeit nicht konstatieren. Norbert Bachl, Facharzt für medizinische Leistungsphysiologie am Wiener Universitätssportzentrum Schmelz, führt mehrere Faktoren an, die für derartige Ausnahmeleistungen gegeben sein müssen. "Eine genetische Prädisposition muss natürlich gegeben sein", sagt er gegenüber krone.at. Ein straffes Bindegewebe sei von Vorteil, somit sei der Athlet weniger verletzungsanfällig.

Viele Regenerationsphasen nötig
Ebenso essenziell sei konstantes Hochleistungstraining. "Besonders wichtig aber scheinen mir längere Regenerationspausen", sagt Bachl. "Athleten, die ihren Körper schonen und nicht von Wettbewerb zu Wettbewerb hetzen, haben bessere Chancen, länger vorne mitzumischen."

Auch komme es darauf an, in welchem Alter man in den Spitzensport einsteige. "Wenn jemand beispielsweise schon mit 17 in der Mühle drinnen ist, dauert die Zeit des Hochleistungsalters vermutlich nicht so lang. Je später es hinein geht, desto länger kann man Spitzensport betreiben."

Gut für die österreichischen Adler, dass Kasai sein Weltcup-Debüt schon mit 16 gegeben hat. Nicht auszudenken, wie lange er "Schlieri" und Co. noch sekkieren würde, wäre er erst mit Mitte 20 in den Profibetrieb eingestiegen.

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