Di, 21. August 2018

Hasenhüttl im Talk

20.12.2013 09:15

"Sehe mich als österreichischen Fußball-Deutschen"

Dass er seit 17,5 Jahren im Ausland arbeitet, das hört man dem Trainer des FC Ingolstadt an – der Grazer Ralph Hasenhüttl hält seit einer halben Ewigkeit die rot-weiß-roten Fahnen als Spieler und als Trainer im Ausland hoch, ein steirisches "Bellen" kommt ihm beim Plausch mit krone.at daher nicht über die Lippen. Was der Erfolgscoach dazu sagt, wie viel Österreich noch in ihm steckt, was für einen Fußball er predigt, wie er zu seinen österreichischen Schützlingen in Ingolstadt steht und ob er die "Hasi-Rolle" noch drauf hat, das erzählte er krone.at.

krone.at: Ralph, wenn ich Sie mir so anschaue, würde ich sagen, dass Sie sich für Ihr Alter sehr gut gehalten haben. Gut genug für die "Hasi-Rolle"? Haben Sie die noch drauf?
Ralph Hasenhüttl: (lacht) Zum Glück nicht mehr. Solche Dinge sollte man in meinem Alter nicht mehr machen, die waren schon in meiner aktiven Zeit lebensgefährlich. Hat ja auch nicht so geschmeidig ausgesehen - dieser unförmige Jubel.

krone.at: Immerhin haben Sie sich nie wehgetan...
Hasenhüttl: Ja, das war eine Riesenleistung von mir. (schmunzelt)

krone.at: Sie sind 46 und haben die vergangenen 17,5 Jahre im Ausland verbracht. Wie viel Österreich steckt im Trainer Hasenhüttl?
Hasenhüttl: Diese Frage ist nicht einfach zu beantworten. Ganz ehrlich, dass ich die ganze fußballerische Ausbildung in Österreich genossen und dort sehr lange auch erfolgreich gespielt habe, das ist gefühlt schon ewig her. Natürlich haben die anderen Schauplätze meiner Karriere und die Menschen dort auch ihren Einfluss auf die Person Hasenhüttl hinterlassen. Im Endeffekt bin ich daher wohl ein österreichischer Fußball-Deutscher. Ich habe das Glück gehabt, in den letzten Zügen meiner Karriere nach Deutschland zu kommen, und noch unglaublich viel mitzunehmen. Ich habe gemerkt, was möglich ist, wenn man professionell lebt, was ich in meiner österreichischen Zeit nicht gemacht habe und wie ich das jetzt von meinen Spielern erwarte.

krone.at: Als Trainer waren Sie bisher bei Unterhaching und Aalen tätig, ehe es Sie im Sommer nach Ingolstadt verschlug - der typische Österreicher schnalzt angesichts dieser Teams zwar nicht gerade mit der Zunge, aber wie sehen Sie selbst diese Entwicklung?
Hasenhüttl: Sagen wir so, es war nirgends ein Nabel der Fußballwelt, vollkommen richtig erkannt. Ich bin aber sehr, sehr dankbar für diese Stationen und finde es auch für meine Entwicklung perfekt, wie es gelaufen ist. Etwa in Unterhaching in die Regionalliga einzusteigen, in die eingleisige 3. Liga aufzusteigen und sogar fast den Aufstieg in die 2. Liga zu schaffen. Und dann hab' ich mit Aalen Geschichte geschrieben und einen Aufstieg geschafft, den man sich 40 Jahre lang gewünscht hat - nicht ohne das Team zuerst in der 3. Liga zu halten, im nächsten Jahr aufzusteigen und dann in der 2. Liga ein Superjahr zu spielen. Was für mich in Unterhaching und Aalen so gut war, war die Möglichkeit, Fehler machen zu dürfen und daraus zu lernen.

krone.at: Wussten Sie schon früh, dass Sie Trainer werden wollen?
Hasenhüttl: Ja schon, mich hat das schon immer gereizt. Ich habe mir als Spieler schon immer viele Gedanken gemacht über diesen Job. Ich war auch ein sehr kritischer Spieler, es war nicht einfach für einen Trainer, mich als Spieler zu haben, weil ich alles hinterfragt habe. Wenn der Trainer gesagt hat: "Lauf drei Runden!", dann sind manche sofort losgelaufen, während ich erst einmal überlegt habe: "Warum soll ich die drei Runden laufen?" Ich habe viele gute Trainer gehabt und trotzdem gehe ich jetzt meinen komplett eigenen Weg. Und wenn ich eine Möglichkeit bekomme, das zu tun, dann bin ich auch erfolgreich.

krone.at: Sie haben es gerade angesprochen, Sie haben viele gute Trainer gehabt, gibt es irgendeinen, der Sie besonders geprägt hat?
Hasenhüttl: Es gibt viele Trainer, die mich aufgrund ihrer Akribie fasziniert haben, auch wegen ihrer Rastlosigkeit, Ruhelosigkeit und ihres Erfolgshungers. Otto Baric zum Beispiel war ein Wahnsinn! Da bist du in der Früh in den Lift eingestiegen und er hat dir schon erzählt, dass du am Abend davor den Ball nicht richtig stoppen konntest. Unglaublich fokussiert war er: "Musst du besser machen nächstes Mal." Ein Ewald Lienen wiederum hat mich gelehrt, was es heißt, auf Menschen zuzugehen, sie respektvoll zu behandeln und ein gutes Klima zu schaffen. Auch ein Hermann Gerland bei Bayern II war topp – vieles von dem, was er mir mitgegeben hat, wollte ich damals nicht so glauben, etwa die Wichtigkeit des Laufpensums. Jetzt komme ich immer mehr zu dem Schluss, dass das wirklich ein wichtiger Mosaikstein ist, um erfolgreich zu sein. Trainingstechnisch waren die Belgier am interessantesten, von deren Pass-Kombinationsformen mach' ich heute noch viel. Im Endeffekt ist der Trainer Hasenhüttl ein Produkt aus dem, was er an Persönlichkeit ist und was er an Erfahrung in seiner Karriere gesammelt hat.

krone.at: Ingolstadt, das ist auch die Heimat des Audi-Konzerns, der mit seinem Logo bei euch auf der Brust prangt und entsprechend finanziell engagiert ist: Ist die 2. Liga auf Dauer genug für euch?
Hasenhüttl: Ich glaube, es ist nicht damit getan, einen guten Partner auf der Brust zu haben. Auch wenn der dafür sorgt, dass wir hier fantastische Trainingsbedingungen sowie eine fantastische Infrastruktur haben. Aber: Den FCI gibt's erst seit knapp 10 Jahren und dieser Verein hat in dieser kurzen Zeit sehr viel erreicht. Aber es muss vieles erst mitwachsen. Was die Unterstützung im Fanbereich angeht, da sind wir gerade dabei, eine Verbindung herzustellen, damit man auch mehr Sympathien für uns hegt - dass man auch merkt, dass da eine Truppe ist, mit der man sich identifizieren kann.

krone.at: Sie sind nicht der einzige "Ösi" hier beim FCI, es gab und gibt noch "Rambo" Özcan, Ümit Korkmaz und Christoph Knasmüllner. Während Goalie Özcan Stammkeeper ist, nahmen und nehmen Korkmaz und Knasmüllner dafür - wenn überhaupt - meistens nur auf der Bank Platz. Wieso ist das so? Was fehlt etwa bei "Knasi"?
Hasenhüttl: Wir haben schon oft sein größtes Defizit besprochen, das ist die Balleroberung. Wenn er sich da nicht verbessert, wird er in meinem System wenig Chancen haben. Ein Riesenfußballer ist er, das wissen wir alle, aber wenn er nicht gegen den Ball arbeitet, dann ist er nur die Hälfte wert für mich. Da sind wir gerade dabei, ihm das nachdrücklich zu sagen, und in der letzten Woche im Training habe ich die Reaktion gesehen. Wir werden hinschauen, ob das nur ein Strohfeuer war, oder ob er das verinnerlicht hat. Wenn das der Fall ist, werde ich mit "Knasi" noch viel Spaß haben, weil fußballerisch ist er eine Bombe.

krone.at: Und Ümit?
Hasenhüttl: Ümit war ein anderer Fall. Er ist ein Spieler, der eine gute Grundschnelligkeit hat, was auf der Position außen natürlich sehr, sehr wertvoll sein könnte. Ümit hat aber das Problem, dass er mit Caiuby einen schier übermächtigen Gegner vor sich hat, der auf seiner Position spielt. Dementsprechend ist er eigentlich chancenlos. Er hat sehr hohe Ansprüche an sich selbst, aber er konnte die hier nicht so wirklich umsetzen, wie er das gewollt hätte.

krone.at: Seit Ihrem Amtsantritt hat der FCI in der Liga vier Siege, zwei Remis und zwei Pleiten eingefahren, zuvor musste Marco Kurz mit einer 1-1-7-Statistik leben. Wie kam es zu der Trendwende?
Hasenhüttl: Man hatte hohe Ansprüche an diese Mannschaft und man hat den Spielern damit einen Rucksack umgehängt. Mit diesem Rucksack sind sie nicht gut zurechtgekommen und sie haben das in der Liga nicht umsetzen können. Was ich gemacht habe, war, ihnen den Rucksack runter zu nehmen. Das war gar nicht so schwer, weil die Erwartungshaltung inzwischen bei null und sämtlicher Kredit verspielt war. Das machte es einfach, in die Köpfe der Spieler vorzudringen, weil sie bereit waren, etwas Neues anzunehmen. Natürlich konnten die Spieler auch vorher Fußball spielen, aber was sie gemacht haben, als der Ball weg war, war nicht das, was ich mir vorstelle - und da haben wir uns in der kurzen Zeit enorm entwickelt, das war der Schlüssel.

krone.at: Für die Österreicher, die die Spiele Ihres Teams nicht so mitverfolgen können: Wie wollen Sie Ihre Mannschaft agieren sehen?
Hasenhüttl: Ich will Tempo-Fußball, vor allem nach Ballgewird die Angelegenheit. Ich bin mir natürlich dessen bewusst, dass, wenn ich auf eine Mannschaft treffe, die normalerweise mehr Qualität als meine hat, ich mir nicht beweisen muss, dass ich mit ihnen mitspielen kann - sondern ich will sie schlagen. Und dazu sind mir alle Mittel recht - auch ein extremes Tief-Hineinstellen!

krone.at: Wenn es in Österreich bei einem Topklub gilt, einen neuen Trainer zu suchen, fällt seit einiger Zeit regelmäßig Ihr Name in der Gerüchteküche. Wäre es für Sie nach all den Jahren im Ausland noch reizvoll, in der alten "Heimat" zu coachen? Oder wäre das...
Hasenhüttl: ... ein Rückschritt? (lacht) Nein, ich habe selber immer sehr darunter gelitten, dass der Fußball im eigenen Land sehr, sehr schlecht bewertet wurde. Fußball ist ein wunderbarer Sport, ein Kulturgut und in Österreich hat er nicht diesen Stellenwert, der ihm vielleicht zustehen könnte - von daher wäre es schon reizvoll, es, mit meiner Art spielen zu lassen, in Österreich zu schaffen, den Fußball in einem anderen Licht dastehen zu lassen.

krone.at: Von einem Grazer Kollegen soll ich Sie noch unbedingt fragen, ob Sie die Entwicklungen beim GAK-Nachfolgeklub GAC mitverfolgen und wenn ja, wie Sie zu diesem Projekt stehen?
Hasenhüttl: (beugt sich interessiert nach vor)Nein, bis jetzt eigentlich noch gar nicht genauer. Ich habe nur gehört, dass es den Verein jetzt gibt. Ich kann mir zwar nicht vorstellen, wie aus dem GAK ein GAC wird, aber es ist schön, dass zumindest versucht wird, diese Tradition am Leben zu halten bzw. weiter zu leben. Ich habe mir als Spieler früher immer gewünscht, einmal noch zurückzugehen. Dort bin ich einfach groß geworden. Wenn du 10, 15 Jahre in der Jugend dabei bist, ist der GAK nicht bloß ein Schriftzug, sondern der ist in dir drinnen. Ich hätte mir nie vorstellen können, zu Sturm zu gehen...

krone.at: Naja, vielleicht gibt's ja die Chance, für die 1. Klasse Mitte könnte es fußballerisch ja doch auch noch reichen, oder?
Hasenhüttl: (lacht und schüttelt energisch den Kopf)Nein, auch dort muss man laufen, das kann ich nicht mehr.

krone.at: Um bei "Heimat" zu bleiben: Ihr mit 16 Jahren bereits 1,90 Meter großer Sohn Patrick hat zuletzt sein Debüt für die ÖFB-U17 gefeiert und beim 3:0 gegen Tschechien gleich getroffen. Wie weit ist denn der Apfel Patrick fußballerisch vom Baum Ralph gefallen?
Hasenhüttl: Gott sei Dank ist er technisch viel besser! Aber heutzutage ist es so, dass es als Mittelstürmer immer schwieriger wird. Meistens ist es die Reihe, die hinter ihm spielt, die fürs Torschießen verantwortlich ist. Als Stürmer bist du eher der, der für die Spieler ablegt, die nachrücken - aber das macht er hervorragend. Außerdem kann er auch mehr laufen, er ist nicht so schwer wie ich, noch nicht (lacht und klopft sich auf den Bauch).

krone.at: Hat er irgendeinen besonderen Gag beim Torjubel? Eine neue "Hasi-Rolle" vielleicht?
Hasenhüttl: (lacht) Da braucht er sich noch keine Gedanken machen, so viele macht er nicht.

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