Tränengas in Kiew

Zehntausende Ukrainer demonstrierten für EU-Kurs

Ausland
24.11.2013 16:11
Bei Großprotesten in der Ukraine gegen die Abkehr des Landes von der EU ist es am Sonntag zu gewalttätigen Zusammenstößen mit der Polizei gekommen. Die Sicherheitskräfte setzten in der Hauptstadt Kiew Tränengas und Schlagstöcke ein, um Tausende Demonstranten auseinanderzutreiben, wie ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichtete. Zuvor hatten die Demonstranten versucht, den Regierungssitz zu stürmen. Dabei wurden auch Steine geworfen.

Alleine in Kiew gingen rund 30.000 pro-europäische Demonstranten gegen den Beschluss ihrer Regierung auf die Straße, die Vorbereitung eines Abkommens mit der EU auszusetzen. Zu den Protesten hatte die inhaftierte Oppositionspolitikerin Julia Timoschenko aufgerufen.

Die Demonstranten zogen mit EU-Flaggen und Fahnen ukrainischer Oppositionsparteien zum Unabhängigkeitsplatz im Stadtzentrum. Der Ort gilt seit der Orangenen Revolution im Jahr 2004 als symbolisch. Der heutige Staatschef Viktor Janukowitsch hatte sich damals zum Sieger der Präsidentschaftswahl erklärt, nach Massenprotesten aber einen Rückzieher gemacht.

"Wir sind nicht die Sowjetunion, wir sind die EU"
Auf Plakaten war die Aufschrift "Wir sind nicht die Sowjetunion, wir sind die Europäische Union" zu lesen. "Wir sind hierher gekommen, um zu zeigen, dass wir uns als Europäer fühlen", sagte eine Teilnehmerin. Ein Demonstrant pflichtete ihr bei: "Wir wollen zeigen, dass Janukowitsch nicht die Ukraine ist."

Die Regierung in Kiew hatte am Donnerstag überraschend das über Jahre ausgehandelte Assoziierungsabkommen mit der EU gestoppt, das kommende Woche bei einem Gipfeltreffen in der litauischen Hauptstadt Vilnius unterzeichnet werden hätte sollen. Stattdessen schlug Kiew Beratungen mit Moskau und Brüssel über Handelsfragen vor. Russlands Präsident Wladimir Putin hatte der Ukraine zuvor mit Einschränkungen der Handelsbeziehungen gedroht, sollte sich die frühere Sowjetrepublik enger an die EU binden.

Timoschenko: Janukowitsch machte "Fehler seines Lebens"
Timoschenko wirft Janokuwitsch vor, durch eine Annäherung an Russland die Unabhängigkeit des Landes zu gefährden. Janukowitsch habe mit der Absage an Brüssel den "Fehler seines Lebens" gemacht, schrieb die frühere Regierungschefin, die in einem Gefängnis in Charkiw im Osten des Landes in Haft sitzt, am Freitag in einem Brief an den Präsidenten.

Die EU hatte eine Ausreiseerlaubnis für die erkrankte Timoschenko zur medizinischen Behandlung im Ausland zur Voraussetzung für die Unterzeichnung des Abkommens gemacht. Janukowitsch lehnte ab.

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