30 Jahre gefangen

Das Martyrium der Sklavinnen von London

Ausland
23.11.2013 15:57
Die drei Frauen, die in London 30 Jahre lang von einem Ehepaar wie Sklavinnen gehalten wurden, haben Schreckliches durchmachen müssen. Sie wurden einer Art "Gehirnwäsche" ausgesetzt, mussten sich Schläge gefallen lassen und mit Einschüchterungen zurechtkommen, teilte Scotland Yard am Freitagabend mit. "Den Frauen wurden unsichtbare Handschellen angelegt", fasste Commander Steve Rodhouse das Martyrium zusammen.

Die Leiden der Opfer passen nach Angaben von Scotland Yard nicht in das Schema bisher bekannter Fälle von Menschenhandel. "Dies ist ein besonderer Fall", sagte Rodhouse. "Es ist nicht so offensichtlich brutal wie bei anderen Fällen, in denen Frauen eingesperrt wurden und ihnen nicht erlaubt wurde, das Gebäude zu verlassen", betonte er.

Die Frauen im Alter von 30, 57 und 69 Jahren wurden vor allem einem großen psychischen Druck ausgesetzt - sie wurden so sehr eingeschüchtert, dass sie nicht einmal den Versuch wagen wollten, zu entkommen. Es war ihnen nämlich erlaubt, für Besorgungen außer Haus zu gehen, aber dennoch kamen sie immer wieder zurück, denn das Ehepaar erzählte ihnen, dass sie es alleine nicht schaffen würden und dass sich niemand für sie interessieren würde. Sozialarbeiter meinen, dass die Frauen unter dem Stockholm-Syndrom leiden, einer psychischen Erkrankung, bei der die Opfer Empathie für ihre Peiniger empfinden.

Sektenähnliche Organisation - Leben in "Kommune"
Wie Scotland Yard am Samstagnachmittag mitteilte, dürften die Opfer mit ihren Peinigern über eine "gemeinsame politische Ideologie" in Kontakt gekommen sein. Zuvor hieß es schon aus Polizeikreisen, dass das Vorgehen an einen religiösen Kult erinnere. Zudem dürfte der Mann mit den beiden älteren Opfern in einer Art "Kommune" gelebt haben.

Schläge an der Tagesordnung
Nach außen wirkten die drei Frauen und das Ehepaar wie eine große Familie, doch hinter den Mauern des Wohnhauses war Brutalität an der Tagesordnung: Die Frauen wurden geschlagen und mussten Sklavenarbeiten verrichten - sie wurden auch zu Hausarbeiten wie Kochen, Putzen und Waschen gezwungen.

Doch Freizeit wurde ihnen ebenfalls gewährt. So durften sie regelmäßig Nachrichtensendungen schauen und außerdem bekamen sie ein Handy. Damit riefen die Frauen dann auch heimlich bei der Organisation Freedom Charity an, die sie letztendlich aus ihrem "Gefängnis" befreite.

Baby in Gefangenschaft gezeugt
Doch auch wenn den Frauen ein wenig "Freiheit" eingeräumt wurde, ließen sich ihre Peiniger nicht zu allzu viel Herzlichkeit hinreißen. Denn als eine der Frauen einen Schlaganfall erlitt, durfte sie nicht ins Krankenhaus gehen.

Außerdem dürfte es eine Geburt in dem Haus gegeben haben. Wie am Samstag bekannt wurde, soll der Mann gemeinsam mit dem heute 57-jährigen Opfer ein Kind gezeugt haben - und zwar die heute 30-Jährige. Die junge Frau soll niemals eine Schule besucht haben. Sie wurde jedoch von Experten nach ihrer Befreiung als "intelligent" beschrieben. Sie sei auch des Lesens und Schreibens mächtig, hieß es.

Frauen sind nun in Sicherheit - Peiniger auf freiem Fuß
Die Frauen sind nun sicher untergebracht. "Sie haben eine lange, lange Reise vor sich", erklärte eine Mitarbeiterin der Organisation Freedom Charity gegenüber der "Daily Mail".

Das Peiniger-Ehepaar, das am Donnerstag festgenommen worden war, wurde in der Nacht auf Freitag nach eindringlicher Befragung wieder auf freien Fuß gesetzt. Die ausländischen Eheleute - sie sollen in den 1960er-Jahren aus Indien und Tansania nach Großbritannien gekommen sein - seien nicht in das Haus zurückgekehrt, sagte ein Ermittler. Die Vorwürfe blieben aufrecht. Beide seien bereits 1970 einmal festgenommen worden. Man verfolge sie auch wegen Verstößen gegen das Ausländerrecht.

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