Das Auftauchen dieses Dokuments ist ein Knalleffekt in dem jahrelangen Rechtsstreit: Als die Bewertung des im Februar 2007 abgeschlossenen Swaps zwischen Linz und der Bank schon massiv im Negativen war, läutete am 27. Oktober 2008 um 9.38 Uhr das Telefon des damaligen Finanzdirektors Werner Penn. Anrufer war BAWAG-Berater Mario Tieff. Und der plauderte sehr locker mit dem Vertreter der Stadt.
Einige Auszüge aus dem Anruf, den Tieff nur als "formal-juristischen Akt" bezeichnete: "Ich will Sie nicht wirklich mit Summen belästigen, sehen Sie's hoffentlich net so negativ!" Tatsache war zu diesem Zeitpunkt aber, dass der Swap 4175 schon mit 86 Millionen Euro im Minus war.
BAWAG-Angestellter spricht Penn in Telefonat Mut zu
In dem knapp zehnminütigen Telefonat, bei dem Penn praktisch gar nicht zu Wort kommt, entschuldigt sich Tieff schon fast für seinen Anruf. Er bestärkt ihn, überrumpelt ihn verbal – und macht ihm sogar noch Mut: "Da haben sie den letzten Zeitpunkt kongenial erwischt."
Neben einer Reihe an Fachbegriffen kommt immer wieder großer Zuspruch. Sinngemäße Aussage des BAWAG-Angestellten: "Man kann nur das machen, was Fremdwährungskreditnehmer machen: hoffentlich die Ruhe bewahren." Nachsatz: "Und hoffentlich dieses ganze Scheußliche vorbeigehen lassen."
Lob für Finanzgeschäfte
Interessant ist auch diese Aussage Tieffs: "Sie haben gut daran getan, sich nichts anderes anzusehen, es gab Kunden, die haben ein bisschen was in Yen gemacht, also das ist ein Wahnsinn", bekommt Penn zu hören. Und dann noch: "Aber wenn es ruhiger wird, geht die Bewertung auch runter, und dann kann man sagen: 'Ok, dann zahle ich halt vielleicht auf die nächsten ein bis zwei Jahre, was sein kann, drei bis vier Prozent rein'."
Bei einer Einvernahme drei Jahre nach diesem Telefonat sagte BAWAG-Mitarbeiter Tieff zu Staatsanwalt Reinhard Steiner: "Wir haben Empfehlungen gegeben, das Risiko zu begrenzen." Das jetzt aufgetauchte Protokoll beweist – zumindest bei diesem Gespräch – genau das Gegenteil.
BAWAG ortet "weiteres Ablenkungsmanöver"
BAWAG-Chefjurist Alexander Schall bezeichnete das Telefonprotokoll Freitagnachmittag als "weiteres Ablenkungsmanöver" der Stadt Linz. Die Aufnahme beweise, dass sich Penn mit dem Produkt ausgekannt habe. Es sei zudem über 20 Mal angeboten worden, die Zinswette zu schließen oder umzubauen.
Penn und Ex-Finanzstadtrat ab 2. Dezember vor Gericht
Penn muss sich gemeinsam mit dem ehemaligen Linzer Finanzstadtrat Johann Mayr ab 2. Dezember in der Swap-Affäre vor Gericht verantworten. Den beiden Männern wird Untreue vorgeworfen, ihnen drohen bis zu zehn Jahre Haft. Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen unbekannte Täter im Bereich der BAWAG laufen nach wie vor. Aktuell wartet die Behörde auf Unterlagen der Bank.











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