Im Kampf gegen IRA

Briten setzten geheimes Killer-Kommando ein

Ausland
21.11.2013 15:44
Großbritannien hat im Nordirlandkonflikt eine geheime Killer-Einheit eingesetzt, um mutmaßliche Kämpfer der irischen Untergrundorganisation IRA zu eliminieren. Dies berichteten frühere Mitglieder des MRF-Kommandos (Military Reaction Force) in der BBC-Sendung "Panorama". Den brisanten Enthüllungen zufolge dürfte die Spezialtruppe bei ihrer Arbeit auch zahlreiche unbewaffnete Zivilisten getötet haben.

Das Killer-Kommando der britischen Armee sei laut den Aussagen von früheren Mitgliedern, die anonym bleiben wollen, zwischen 1972 und 1973 im überwiegend katholischen Westen der nordirischen Hauptstadt Belfast aktiv gewesen. Die Truppe von etwa 40 handverlesenen Soldaten soll demnach in Zivilkleidung unterwegs gewesen sein, manchmal als Straßenfeger oder sogar als Obdachlose verkleidet.

Ex-Mitglied: "Wir jagten Terroristen und Babykiller"
Die Soldaten hätten in den 18 Monaten der Existenz des Kommandos gezielt aus neutralen Fahrzeugen geschossen, um verdächtige Personen "unschädlich" zu machen. "Wir jagten knallharte Terroristen und Babykiller, Leute, die einen umlegen würden, ohne überhaupt nachzudenken", sagte einer der drei von "Panorama" aufgespürten Ex-MRF-Mitglieder.

Dabei dürften aber auch unbewaffnete Zivilisten von den Soldaten getötet worden sein, wie eines der Ex-Mitglieder gegenüber den Journalisten unverblümt eingestand. "Wir schossen nicht um uns wie im Fernsehen", betonte er zugleich.

"Wenn man es mit jemandem zu tun hat, der ein bekannter Schütze ist, der eine Menge Morde auf seinem Konto hat, dann muss man ihn aus dem Verkehr ziehen", so eines der MRF-Mitglieder. "Wenn sie erschossen werden mussten, wurde auf sie geschossen." Nach britischem Gesetz dürfen Militärangehörige allerdings nur dann zur Waffe greifen, wenn unmittelbare Gefahr für das eigene Leben besteht.

Mindestens zehn unbewaffnete Zivilisten erschossen
Den BBC-Journalisten gelang es im Zuge ihrer Recherchen zumindest zehn unbewaffnete Zivilisten zu identifizieren, die 1972 von Mitgliedern der MRF erschossen worden sein sollen - unter ihnen ein Brüderpaar auf dem Weg zur Arbeit im Zentrum von Belfast und zwei junge Männer, die auf dem Heimweg von einer Disco im Taxi von Schüssen niedergestreckt wurden.

Der Anwalt einer Frau, die davon überzeugt ist, dass auch ihr Vater unschuldig auf offener Straße von dem Killer-Kommando erschossen wurde, kündigte bereits eine Zivilklage an. "Er war ein unschuldiger Mann, er hatte jedes Recht, auf der Straße zu Fuß nach Hause zu gehen. Er hatte es nicht verdient, so zu sterben", sagte Patricia McVeigh. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums in London wurden die Enthüllungen der BBC an die Polizei weitergeleitet.

Debatte über mögliche Amnestie
Der "Panorama"-Bericht platzt mitten in eine Diskussion um eine mögliche Amnestie für Straftaten, die vor dem nordirischen Friedensabkommen von 1998 begangen wurden. Zwischen den Parteien in Nordirland laufen diplomatische Bemühungen um Aussöhnung und eine Beilegung noch offener Streitpunkte. In dem 30 Jahre währenden Nordirland-Konflikt wurden mehr als 3.500 Menschen getötet.

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