Nach Taifun "Haiyan"
Tausende versuchen, dem Albtraum zu entkommen
Eine Frau fällt in ihrer Verzweiflung schluchzend auf die Knie. Gerade haben die Soldaten der Menge erklärt, dass nur einige wenige Personen im Flugzeug raus aus dem Katastrophengebiet mitfliegen können.
Wiederum eine andere Frau übermittelt ihrer Familie in Manila eine Nachricht über den Radiosender DZMM, weil sie ihre Liebsten anders nicht erreichen kann. Sie hofft auf einen Platz im Flugzeug. "Papa ist tot, aber uns geht es gut. Sorgt euch nicht, ich bin schon bei unserer Schwester und wir kommen aus Tacloban raus", sagt sie. Aber dann schafft sie es in dem Chaos nicht, ihren Namen zu nennen.
Hilfe kommt viel zu langsam zu den Opfern
Während sich die Regierung, Hilfsorganisationen und internationale Notfallteams beeilen, die Hilfe zu den Opfern zu bringen, kommt diese immer noch zu langsam an für Tausende, die alles verloren haben. Viele hoffen, nun schneller rauszukommen, nachdem am Dienstag in Tacloban einige kommerzielle Fluggesellschaften den Betrieb wieder aufgenommen haben. Auch den Flughafen der Küstenstadt mit ihren rund 220.000 Einwohnern hat "Haiyan" stark beschädigt.
Tagelang konnten nur Militärfrachtflugzeuge landen, um Versorgung und Helfer abzusetzen. Am Airport wurde ein provisorisches Krankenhaus aus Zelten und dreckigen Holzplanken aufgebaut. Am vierten Tag nach "Haiyan" stehen die Verwundeten und Kranken Schlange.
"Wir brauchen nur eins: Essen"
Doch das Leid ist auch bei den gesunden Menschen groß: Überall haben verzweifelte Überlebende Hilferufe an Container und Hauswände gemalt: "Wir brauchen Essen!" "Rettet uns!" und "Hilfe!" ist beispielsweise zu lesen. Kinder stehen weinend und bettelnd am Straßenrand, berichten Helfer, die im Notstandsgebiet unterwegs sind. "Die Probleme sind immens, das Gebiet ist riesig, aber wir tun alles Menschenmögliche", versicherte Innenminister Mar Roxas.
In Tacloban sind alle Geschäfte, in denen Lebensmittel vermutet wurden, geplündert, berichten Lokalsender. In ihrer Verzweiflung sind Leute auf selbstgebauten Flößen vor der Küste unterwegs und versuchen, mit bloßer Hand Fische zu fangen. Zwei Männer haben ein Schwein geschlachtet und tragen es im strömenden Regen an einer Stange durch Tacloban. "Wir wollen kein Geld, kein Handy, wir können im Freien schlafen, wir brauchen nur eins: Essen", fleht eine junge Frau im Fernsehen.
Tränen nach dem Verlust geliebter Menschen
Selbst die fehlenden Nahrungsmittel lassen unzählige Menschen aber nicht verzweifeln, denn sie denken derzeit nur an die schrecklichen Verluste, die sie ertragen müssen. In Tränen aufgelöst erzählt etwa ein Mann im TV: "Josie ist tot. Bitte vergib mir, aber wir wurden getrennt. Die Wellen waren einfach zu stark für mich, ich habe mein Kind verloren." Das ist jetzt drei Tage her, zudem liege seine Frau immer noch in den Trümmern.
Ein anderer Mann will im Fernsehen eigentlich gute Nachrichten an Verwandte übermitteln, aber auch seine Worte ersticken in Tränen. "Bruder, Junalyn hat am Samstag ein Kind geboren. Aber wir haben nichts zu essen und nichts, um das Baby zu füttern. Wir haben nur Wasser getrunken", sagt er in die Kamera und fleht: "Schickt uns Hilfe!"












Kommentare
Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.
Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.
Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.