Lebensbedrohlich

"Schihaserl" bedeuten für Schneehasen Stress

Wissenschaft
08.11.2013 15:55
Wintertouristen stressen die Schneehasen. Diese auf der Hand liegende Erkenntnis haben Forscher der Veterinärmedizinischen Universität Wien nun erstmals in einer Studie nachweisen können. Weil die Tiere durch die Störung mehr Energie verbrauchen, kann dies im Winter lebensbedrohlich für sie sein.

Die im Winter mit weißem Fell getarnten Schneehasen sind in den Alpen ab einer Seehöhe von 1.300 Metern beheimatet. Mittlerweile gilt die Population in den Alpen aus verschiedenen Gründen als bedroht. Nicht nur die durch den Klimawandel steigenden Temperaturen lassen die Tiere in immer höhere Lagen ausweichen. Auch der zunehmende Wintertourismus stellt einen Stressfaktor dar, dessen genauen Auswirkungen bisher nicht untersucht waren.

Kot auf Stresshormone untersucht
Gemeinsam mit Schweizer Kollegen hat Rupert Palme vom Institut für Biochemie an der Vetmeduni die Stresslevel von Alpenschneehasen im Schweizerischen Nationalpark im Kanton Graubünden und in benachbarten Skigebieten untersucht. In Kotproben der Tiere wurden Stoffwechselprodukte bestimmt, die auf Stress der Tiere schließen lassen.

Die Auswertung habe eindeutig gezeigt: Kotproben aus stark frequentierten Tourismusgebieten wiesen höhere Stresswerte auf als Proben aus Regionen mit weniger Touristen, so Palme. Dabei machte es keinen Unterschied, ob die Störenfriede Schifahrer, Schneeschuhwanderer oder Langläufer waren, schreiben die Forscher in der Fachzeitschrift "Journal of Applied Ecology"

Auch in einem kontrollierten Versuch mit sechs Schneehasen in Gefangenschaft zeigten sich in den Kotproben nach Störungen erhöhte Stresswerte, aber auch ein verändertes Verhalten. Die gestressten Tiere ruhten weniger, verwendeten weniger Zeit für die Fellpflege und waren bei der Wiederaufnahme des eigenen Kots gestört. Dieses als "Koprophagie" bezeichnete Verhalten ermöglicht es den Tieren, wichtige Nährstoffe und Vitamine aufzunehmen. Vor allem im Winter stellt dieses Verhalten eine wichtige Energiequelle dar.

Stress bedroht Überleben im Winter
Die Forscher gehen davon aus, dass sich gestresste Schneehasen in freier Wildbahn ähnlich verhalten. Stress führe zu erhöhtem Energieverbrauch bei den Hasen und könnte im Winter das Überleben bedrohen und die anschließende Fortpflanzung negativ beeinflussen. Sie empfehlen deshalb, größere Waldgebiete, in denen Schneehasen leben, für den Wintertourismus zu sperren. Davon könnten auch andere gefährdete Tierarten profitieren.

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