Skandal ohne Folgen
Etikettenpflicht für Fleisch ist EU doch zu teuer
Im Februar stand ganz Europa im Bann des Pferdefleischskandals. In Fertigprodukten wie Lasagne, Pasta und Burgern hat man bis zu einem Drittel Pferdefleisch festgestellt. Erst da wurde einer breiten Öffentlichkeit bekannt, wie undurchsichtig und geschmacklos das System der Fleisch- und Fleischabfallverarbeitung ist. Beim Pferdefleischskandal handle es sich um ein europaweites Problem von bewusster Falschdeklaration, das sei "zutiefst kriminell und zu verurteilen", hatte sich damals auch Gesundheitsminister Alois Stöger in einer Sitzung des Nationalrats empört gezeigt. Pferdefleisch sei prinzipiell nichts Schlechtes, aber es gehe darum, dass die Konsumenten das Recht haben zu wissen, was sie essen.
Aus genau diesem Grund prüfte die EU-Kommission dann detaillierte verbindliche Herkunftsbezeichnungen und eine Kennzeichnungspflicht von Fleisch und Fleischbestandteilen in Fertigprodukten. Eine solche verpflichtende Etikettierung ist in der Europäischen Union bisher umstritten, vorgeschrieben ist sie infolge des BSE-Skandals derzeit nur für unverarbeitetes Rindfleisch. Das könnte sich, wie im Zuge des Pferdefleischskandals in Aussicht gestellt wurde, in Zukunft ändern.
Brüssel warnt vor massivem Preisanstieg
Die EU-Kommission warnt nun allerdings, eine solche verbindliche Herkunftskennzeichnung könnte zu einem massiven Preisanstieg führen. Werde künftig das genaue Herkunftsland von Fleisch ausgewiesen, könne dies für Kostensteigerungen bei den Fleischproduzenten um bis zu 50 Prozent sorgen. Eine Kennzeichnung, ob Fleisch aus der EU komme oder nicht, würde die Produktionskosten zwar ebenfalls nach oben treiben, allerdings nur um bis zu 25 Prozent, heißt es in dem Bericht.
Auch wenn nicht ausdrücklich die "EU/Nicht-EU"-Option empfohlen wird, scheint Brüssels Präferenz für diese lasche Variante mehr als deutlich. Man warnt ausführlich vor den "vermeintlich desaströsen Auswirkungen einer umfassen Konsumenteninformation" schreibt die "Berliner Zeitung" am Freitag. Die Zahl der Erzeuger, Schlachtereien, Verarbeitungsbetriebe, Zwischenhändler, Fertiggerichte-Hersteller und Einzelhändler in Europa sei laut EU viel zu groß, um mit vertretbarem Aufwand die Herkunft der einzelnen Fleischbestandteile nachvollziehen und auf den Verpackungen angeben zu können.
Kostensteigerungen zu Lasten der Verbraucher?
Fleischabschnitte und Fettreste, die derzeit von der Industrie verwertet würden, könnten zudem nicht mehr kostendeckend verarbeitet werden, wenn deren Herkunft nachgewiesen werden müsse. Zudem wäre mehr Personal bei den staatlichen Kontrollbehörden nötig, um die strengeren Kennzeichnungsvorschriften zu überwachen. Der Knackpunkt an all den vermeintlichen Negativauswirkungen laut EU-Kommission: Die Kostensteigerungen würden letztlich zu 90 Prozent an die Verbraucher weitergeben werden.
Die Konsumenten seien aber kaum bereit, mehr Geld für eine Herkunftskennzeichnung bei Fleisch auszugeben, wird argumentiert. Am wichtigsten sei bei der Kaufentscheidung der Verbraucher der Preis, dann die Beschaffenheit und Qualität des Fleischs. Zwar bestehe seitens der Verbraucher auch der Wunsch nach einer Herkunftskennzeichnung. Diese spiegle sich aber nicht in einer höheren Bereitschaft wider, dafür auch zu zahlen.
Grünen-Politikerin: "EU/Nicht-EU nicht ausreichend"
Diesen Argumenten widerspricht allerdings Bärbel Höhn, stellvertretende Vorsitzende der Grünen-Fraktion im deutschen Bundestag. Umfragen zeigten, dass mehr als zwei Drittel der Deutschen genaue Herkunftsbezeichnungen wünschten und nur ein Zehntel die Angabe "EU/Nicht-EU" für ausreichend halte, erklärte Höhn gegenüber der "Berliner Zeitung". "Wenn sich die Mitgliedstaaten wieder von Lebensmittelindustrie und Handel einlullen lassen, kann man die Tage bis zum nächsten Skandal schon zählen", so die Grünen-Politikerin. Auf dem Höhepunkt des Pferdefleischskandals hätten die EU-Verbraucherminister noch selbst eine weitgehende Kennzeichnungspflicht befürwortet.












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