15.10.2013 10:57 |

Giftiges Polonium

Wurde Arafat ermordet? Forscher sind uneins

Schweizer Wissenschaftler haben bekannt gegeben, dass der 2004 verstorbene Palästinenserführer Yassir Arafat mit radioaktivem Polonium-210 ermordet worden sein könnte. Russische Forscher, die derselben Frage nachgingen, hingegen wollen genau das Gegenteil herausgefunden haben: Man habe keine Spuren von Polonium in Arafats Leichnam entdeckt. Auch französische Forscher haben dies untersucht, ihre Ergebnisse stehen noch aus.

Wie es zu den vollkommen gegensätzlichen Untersuchungsergebnissen kommen konnte, ist bisher unklar. Fest steht allerdings, dass eine zweifelsfreie Feststellung einer Polonium-Vergiftung unmöglich sein dürfte. Schließlich standen den Forschern nur Gewebeproben der nach Jahren exhumierten und somit bereits verwesten Leiche zur Verfügung.

Dennoch glauben die Wissenschaftler des Institut de radiophysique im schweizerischen Lausanne an die Möglichkeit einer Polonium-Vergiftung: "Zahlreiche Tests von Proben von Körperflüssigkeiten enthielten einen unerklärlich hohen Gehalt an Polonium-210 im Vergleich zu Kontrollproben. Diese Ergebnisse unterstützen die Möglichkeit, dass Arafat mit Polonium-210 vergiftet wurde", schreiben die Forscher im angesehenen Medizinjournal "The Lancet".

Autopsie wäre wichtig gewesen
Problematisch sei allerdings, dass direkt nach Arafats Tod keine Autopsie durchgeführt worden sei, beklagen die Wissenschaftler aus der Schweiz. "Eine Autopsie wäre in diesem Fall hilfreich gewesen, weil man - obwohl eine mögliche Polonium-Vergiftung möglicherweise nicht festgestellt worden wäre bei diesem Vorgang - Gewebeproben aufbehalten und später testen hätte können."

Russische Forscher gegensätzlicher Ansicht
Die russischen Experten sind trotz der suboptimalen Umstände der Untersuchung überzeugt, keine Spur von Polonium in Arafats Leichnam gefunden zu haben. "Er kann nicht mit Polonium vergiftet worden sein", sagte Wladimir Ujba, der Chef der staatlichen biologisch-medizinischen Agentur, am Dienstag in Moskau der Agentur Interfax. Arafat war am 27. November 2012 in Ramallah exhumiert worden.

Mord an "Hindernis für den Frieden"?
Ob die Ergebnisse der französischen Forscher Klarheit bringen, bleibt abzuwarten. Auf palästinensischer Seite kursieren seit Jahren Gerüchte, dass Israel den Präsidenten der Autonomiegebiete vergiftet hat. Seine Witwe Suha Arafat hatte daher letztes Jahr vor Gericht in Frankreich um die Exhumierung des Leichnams und eine Untersuchung auf das Gift hin angesucht. Ihr Mann sei umgebracht worden, weil er als "Hindernis für den Frieden" dargestellt worden sei, zeigte sich die Witwe überzeugt.

Traurige Berühmtheit erlangte Polonium-210 durch den Mord am ehemaligen russischen Spion Alexander Litwinenko, der 2006 in London verstarb.

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