NS-Verbrecher tot
Italien: Streit um Trauerfeier für Erich Priebke
"Ich bin bereit, Priebkes Trauerzeremonie auf offener Straße zu veranstalten, sollte es keine andere Möglichkeit geben", sagte Giachini, in dessen römischer Wohnung Priebke seit 1999 unter Hausarrest stand. "Die Söhne Priebkes drängen darauf, dass der letzte Wunsch ihres Vaters nach einem katholischen Begräbnis respektiert wird", betonte der Rechtsanwalt des ehemaligen SS-Mannes.
Rom will Versammlung von Rechtsextremen verhindern
Der Polizeichef von Rom, Fulvio Della Rocca, hat eine öffentliche Trauerzeremonie in ganz Rom verboten. Der römische Bürgermeister Ignazio Marino bekräftigte, dass es in Rom aus Fragen der Sicherheit keine öffentliche Trauerzeremonie geben könne. Er will damit verhindern, dass die Zeremonie zur Versammlung von Rechtsextremisten wird. Der Priester der römischen Kirche Santa Maria Immacolata di Lourdes, die Priebke öfters besuchte, erklärte sich jedoch dazu bereit, eine Trauerzeremonie in der Wohnung des NS-Kriegsverbrechers zu zelebrieren.
Wiesenthal-Zentrum für Überstellung nach Deutschland
Efraim Zuroff, Leiter des Simon Wiesenthal-Zentrums in Jerusalem, schlug eine Überführung der sterblichen Überreste Priebkes nach Deutschland vor. Diese sollten dann in Priebkes Geburtsort Hennigsdorf im Bundesland Brandenburg beigesetzt werden. "Priebke war Deutscher. Außerdem hat Deutschland die besten Gesetze, um zu vermeiden, dass die Trauerzeremonie eines NS-Kriegsverbrechers zu einer Neonazi-Show wird", sagte Zuroff im Interview mit der Turiner Tageszeitung "La Stampa" am Montag.
Die Behörden in Hennigsdorf sehen jedoch keine Grundlage für eine Bestattung des NS-Kriegsverbrechers auf dem Friedhof des Ortes. Die Stadtverwaltung verwies am Montag auf die kommunale Friedhofsordnung, wonach dort nur Einwohner der Stadt ein Recht auf Bestattung haben. Zwar seien bei Familiengräbern Ausnahmen möglich, Priebkes Familie habe dort aber kein Grab.
Ehemaliger Justizminister: "Leiche einäschern"
Der ehemalige italienische Justizminister Giovanni Maria Flick meinte, man sollte Priebkes Leiche einäschern. "Die Asche sollte dann im Meer verstreut werden, wie es bereits beim NS-Kriegsverbrecher Adolf Eichmann geschehen ist. Priebkes Leiche könnte eventuell auch nach Deutschland überführt werden. Rom ist jedenfalls der ungeeignetste Ort für eine Trauerzeremonie", so Flick.
Priebke hatte fast 15 Jahre lang in der Wohnung seines Anwalts im Norden Roms unter lockerem Hausarrest gelebt. Zwar war er 1998 in Italien wegen eines Blutbads im Zweiten Weltkrieg zu lebenslanger Haft verurteilt worden, ein Jahr später kam er aber wegen seines angeblich schlechten Gesundheitszustands aus dem Militärgefängnis frei. Priebke war wegen des Massakers in den Ardeatinischen Höhlen im März 1944 verurteilt worden. Damals waren 335 Menschen als Vergeltung für den Tod von 33 deutschen Soldaten erschossen worden.
Keine Reue für schwerstes NS-Massaker in Italien
Priebke hat seine Tat nie bereut. Er soll als Hauptsturmführer die Namensliste der Opfer geführt haben, unter denen 75 Juden waren. Er gestand außerdem, zwei Gefangene selbst erschossen zu haben. Die Hinrichtungen waren eines der schwersten Nazi-Massaker während des Zweiten Weltkriegs in Italien.












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