Es gebe kaum eine Krankheit, die hier nicht als Präparat zu sehen sei, hob Schmied die Bedeutung der Sammlung hervor. Nachdem die Präparate "ein bisschen spooky" seien, verwundere es auch kaum, dass hier bereits der eine oder andere Krimi gedreht worden sei, so die Ministerin.
Narrenturm war weltweit erstes Spital für psychisch Kranke
Der 1784 erbaute Narrenturm gilt laut NMH als bedeutendstes Denkmal zur Geschichte der Krankenversorgung. Immerhin war der von Kaiser Joseph II. mitinitiierte Rundbau das erste Krankenhaus der Welt, das ausschließlich zur Pflege von psychisch kranken Menschen errichtet wurde - auch wenn die Kranken unter teils menschenunwürdigen Bedingungen untergebracht wurden. Erst ab Anfang der 1970er-Jahre wurde die pathologisch-anatomische Sammlung im Narrenturm angesiedelt, zunächst wurden die 139 Zellen einzeln angemietet.
Umfassende Sanierung
Die Jahre sowie die Nutzung als "Irrenhaus" bis in die 1860er-Jahre, nach dessen Auflassung als Krankenschwesterwohnheim, Arztdienstwohnungen und Werkstätten der Uni-Kliniken haben ihre Spuren am fünfstöckigen Gebäude hinterlassen. Der Putz bröckelt, durch viele Stellen der Außenfassade lugt das Mauerwerk. Daher wird der denkmalgeschützte, kreisrunde Bau nun in mehreren Phasen saniert - und das bei laufendem Museumsbetrieb. Mit Ende 2012 wurde mit neuer Infrastruktur für das Museum wie der Schaffung eines barrierefreien Zugangs und der Renovierung der Innenhoffassaden begonnen, Ende 2014 soll die Außenfassade folgen und schließlich der Innenbereich.
Architekt Thomas Kretschmer sieht als Herausforderung bei der Renovierung vor allem die Entscheidung, welche durch die Nachnutzung entstandenen Umbauten (etwa Duschräume für die Krankenschwestern etc.) rückgebaut und was restauriert werden soll. Fix ist etwa bereits eine Reaktivierung der historischen Belüftungsanlage.
Parallel zu den Arbeiten wird ein Forschungsprojekt durchgeführt, bei dem etwa die Blitzschutzanlage - laut Kretschmer eine der ältesten der Welt -, beleuchtet werden soll.
Verschwundene Präparate wieder aufgetaucht
Auch bei der Sammlung steht das NHM vor Herausforderungen: So seien die Präparate nach einem System katalogisiert, "das für mich nicht wirklich nachvollziehbar war", so Leiterin Teschler-Nikola. Dazu kämen "Überraschungen": So habe man Präparate entdeckt, die ursprünglich vom NHM verliehen, aber nie zurückgegeben worden waren. "Die sind uns schon abgegangen." Daher gehe es nun auch darum, die Sammlung zu sichten und zu entscheiden, was davon künftig gezeigt werden soll und ob Teile eventuell abgegeben werden. Bis die Sammlung in einem neuen Arrangement zu sehen ist, wird es laut Köberl jedenfalls "sicher einige Jahre dauern".
Die im Medizinstudentenjargon "Sammlung der Grauslichkeiten" genannte Sammlung war bereits 1796 gegründet worden, 1971 übersiedelte das damals eigenständige Bundesmuseum in den Narrenturm. Seit 2012 ist es in das NHM eingegliedert. 2012 hat das Museum im Narrenturm 24.000 Besucher angezogen.
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