Leben im Taxi

Von zu viel Promille bis zur Flucht nach Nizza

Niederösterreich
26.02.2025 05:45

Keinen leichten, aber dafür einen abwechslungsreichen Job hat man als Taxiunternehmerin – Ida Björkhagen aus Ternitz über Freud und Leid im Alltag hinter dem Steuer. Die Branche ist jedenfalls derzeit im Aufwind.

War früher das Taxifahren eher eine „Männerdomäne“, so sind derzeit bereits etwa 15 Prozent der Unternehmen in weiblicher Hand. Eine Taxi-Chefin ist die 38-jährige Ida Björkhagen aus Ternitz im Bezirk Neunkirchen. Sie musste den Betrieb 2009 nach dem plötzlichen Tod der Mutter übernehmen. Neben ihr sind noch sechs weitere Frauen im Team.

Von kotzenden und flüchtenden Kunden 

Der Job hinterm Steuer ist hart. Aber sexuelle Übergriffe, von denen man in Großstädten oft hört, gibt es zum Glück am Land eher nicht. „Maximal blöde Sprüche von Betrunkenen“, so Björkhagen. 

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Ich habe das Gefühl, dass Männer vor Frauen oft mehr Respekt zeigen und dass es ihnen oft unangenehm ist, wenn sie betrunken sind.

Ida Björkhagen, Taxiunternehmerin aus Ternitz

Dass jemand über den Durst getrunken und sich dann auch im Taxi übergibt, das kommt allerdings schon vor. „Aber zum Glück selten, denn ich sage den Kunden schon beim Einsteigen, was das kostet“, lacht die Taxlerin. Nämlich 300 Euro extra für Reinigung und entgangenen Einnahmen.

Gelegentlich kommt es auch zu Problemen mit Fahrgästen, die nicht zahlen möchten. „Einer ist mir sogar schon aus dem fahrenden Auto gesprungen“, schildert Björkhagen. In solchen Fällen wird dann einfach die Polizei zur Hilfe gerufen. 

Berührende und auch traurige Momente  
Dass der Taxiberuf auch schöne Seiten hat, zeigt sich vor allem beim Transport von älteren Personen, die ihr Herz im Taxi ausschütten. Ihr berührendstes Erlebnis hatte sie, als sie acht Flüchtlingsfrauen von der ukrainischen Grenze bis nach Nizza fuhr. „Ich bekam auf der Fahrt all ihre Sorgen und Probleme mit, angefangen von den Ehemännern, die im Kriegsgebiet blieben, bis hin zu den Katzen, die sie zurücklassen mussten“, erzählt Björkhagen. Noch heute ist sie mit den Frauen in Kontakt.

Aber auch traurige Erlebnisse gibt es. So fuhr sie vor einiger Zeit eine ältere Dame von Neunkirchen nach Bratislava, wo ihr angeblicher Sohn auf sie wartete. Dieser habe die ganze Fahrt über angerufen, und gefragt, wo sie bleibt. „Im Endeffekt hat sich herausgestellt, dass es sich um einen Betrüger gehandelt hat und er der Dame in Bratislava dann 80.000 Euro abgenommen hat“, so Björkhagen.

Taxiunternehmen werden wieder mehr 
In Niederösterreich gibt es derzeit etwa 780 Taxiunternehmen. Vor allem im ländlichen Raum war die Zahl in den letzten Jahren rückläufig. Jetzt steigt sie jedoch wieder leicht an. „Mit ein Grund dafür ist die Möglichkeit, dass seit einem Jahr in Zusammenarbeit mit der ÖGK Krankenbeförderungen mit Taxis durchgeführt werden, wenn die Patienten aus gesundheitlichen Gründen keine Öffis benutzen können“, freut sich Günther Berger, Obmann der Fachgruppe Taxi über den Anstieg.

140 Taxiunternehmen sind bereits ÖGK-Vertragspartner. „Wir sind wieder auf dem Weg, dass wir drei Standbeine haben: die Schülerbeförderung, den Taxibetrieb und die Krankenbeförderung“, so Berger abschließend. 

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