18.07.2013 11:37 |

Offener Brief

Taliban-Anführer: Darum sollte Malala getötet werden

Ein hochrangiger Vertreter der pakistanischen Taliban (TTP) sorgt mit einer ungewöhnlichen Aktion für Aufsehen: Er hat der bei einem TTP-Attentat schwer verletzten Schülerin Malala Yousafzai einen offenen Brief geschrieben. Der Grund für den Mordanschlag auf die heute 16-Jährige sei nicht Malalas Wunsch nach Bildung gewesen, behauptet er, sondern dass sie die Taliban beleidigt habe. Er selbst sei vom Attentat schockiert gewesen und hätte sich gewünscht, "dass das nie passiert wäre", gibt Adnan Rashid an.

Malala Yousafzai ist für ihren Kampf um Bildung von Kindern auf der ganzen Welt, insbesondere auch für Mädchen in von Taliban kontrollierten Gebieten, inzwischen weltweit bekannt. Am Freitag, ihrem 16. Geburtstag, hielt sie etwa eine vielbeachtete Rede zu dem Thema vor den Vereinten Nationen in New York (siehe Infobox).

Darin bekräftigte sie neben dem Ruf nach Schulbildung für Kinder ihre Weigerung, sich von den Taliban einschüchtern zu lassen: "Sie dachten, die Kugeln würden uns zum Schweigen bringen, doch sie scheiterten." Sie war mit einem Blog für die BBC zu Berühmtheit gelangt, in dem sie ihr Leben unter den Taliban in ihrer Heimat Pakistan beschrieb. Im Oktober 2012 wurde sie von Taliban-Kämpfern im Schulbus in den Kopf geschossen - sie lebt nun im britischen Exil.

Taliban: Attentat nicht wegen Bildung
Der Anschlag, so behauptet Taliban-Anführer Adnan Rashid (Bild aus einem YouTube-Video) in seinem offenen Brief vom 15. Juli, der nun an die Öffentlichkeit gelangt ist, habe allerdings nichts mit Malalas Einsatz für Bildung zu tun gehabt. "Taliban oder Mujaheddin sind nicht gegen die Bildung von Männern oder Frauen oder Mädchen", schreibt Rashid. Vielmehr glaubten die Taliban, Malala führe eine Schmutzkampagne gegen sie und dass ihr Blog "provokativ" sei - das sei der Grund für das Attentat gewesen, nicht ihre Liebe zur Bildung.

Angeblich Warnung geplant
Er habe Malala schon während seiner Zeit im Gefängnis warnen und vom Schreiben gegen die Taliban abhalten wollen, behauptet Rashid außerdem. Er habe allerdings ihre Adresse nicht finden können und nicht gewusst, ob er sie unter ihrem echten Namen oder ihrem Pseudonym ansprechen solle. Dann sei er aus dem Gefängnis befreit worden und habe sich versteckt gehalten, als er vom Anschlag auf Malala erfahren habe.

Er sei "schockiert" gewesen, so Rashid. "Ich wünschte, das wäre nie passiert und ich hätte dir vorher einen Rat gegeben." Doch ob der Kopfschuss "islamisch richtig oder falsch" gewesen sei, müsse Allah entscheiden.

"Tödliches muss eliminiert werden"
Großen Wert legt Rashid in seinem offenen Brief auf die Erklärung, dass die Taliban mitnichten gegen Bildung von Mädchen und Frauen seien - aber sehr wohl gegen westliche, "satanische oder säkulare" Lehrpläne. Den Vorwurf, die Taliban würden Schulen sprengen, entgegnet er mit der Behauptung, dies geschehe nur, wenn sich die pakistanische Armee dort einquartiere. "Wenn etwas Heiliges in etwas Tödliches verändert wird, muss es eliminiert werden - das ist der Grundsatz der Taliban", so Rashid.

Im Brief lässt sich Rashid zudem über angebliche Konspiration westlicher Nationen mit "Juden und Freimaurern" aus und behauptet, bei Polio-Impfaktionen handle es sich in Wahrheit um Sterilisationsprogramme.

Malala soll zurückkehren und "Verschwörung" aufdecken
Abschließend gibt der Taliban-Vertreter Malala den "Ratschlag", nach Pakistan zurückzukehren. Sie solle die islamische Kultur annehmen und eine Koranschule besuchen. "Studiere und lerne das Buch Allahs, nutze deinen Stift für den Islam", fordert Rashid. Sie solle helfen, die "Verschwörung der winzigen Elite, die die ganze Welt für ihre bösartigen Agenden im Namen einer neuen Weltordnung versklaven will", aufzudecken.

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