13.07.2013 12:43 |

Drama in Frankreich

Sechs Todesopfer bei Zugunglück südlich von Paris

Beim schwersten Zugunglück in Frankreich seit 25 Jahren sind am Freitagnachmittag südlich von Paris sechs Menschen ums Leben gekommen. Nach Angaben des zuständigen Präfekten Michel Fuzeau wurden zudem mindestens zwölf Menschen schwer verletzt, als der Intercity-Zug am Bahnhof von Bretigny-sur-Orge im Departement Essonne entgleiste und in zwei Teile gerissen wurde. Unglücksursache dürfte ein gebrochenes Weichenteil gewesen sein.

Das defekte Stück befindet sich normalerweise in der Weiche und dient als eine Art Klemme zwischen zwei Gleisen. Ersten Ermittlungen zufolge sei das Teil am Unglücksort gebrochen und aus seiner Halterung gesprungen, gab die Eisenbahngesellschaft SNCF am Samstag bekannt. Die SNCF will nun nach eigenen Angaben auf ihrem gesamten Schienennetz in allen Weichen das betroffene Teil überprüfen.

Der Intercity 3657 mit der Endstation in der knapp 400 Kilometer südwestlich von Paris gelegenen zentralfranzösischen Stadt Limoges war gegen 17 Uhr vom Pariser Bahnhof Austerlitz gestartet und um 17.14 Uhr entgleist. Um 17.23 Uhr löste die Präfektur der Essonne den "Alarmplan Rot" für Unglücke mit "zahlreichen Opfern" aus.

Lokführer verhinderte schlimmere Katastrophe
Verkehrsminister Frederic Cuvillier erklärte, der Zug sei nicht zu schnell gewesen. Er sei 137 Stundenkilometer gefahren und damit 13 km/h langsamer als erlaubt. Über die Weiche vor dem Bahnhof war eine halbe Stunde vor dem Unglück noch ein anderer Zug gefahren - offensichtlich ohne Probleme.

Nach SNCF-Angaben verhinderte der Lokführer des entgleisten Intercity durch seine schnelle Reaktion eine noch größere Katastrophe. Als er Stöße spürte, habe er sofort Notsignale gesendet, erklärte SNCF-Sicherheitschef Alain Krakovitch. Dadurch hätten andere Züge gestoppt und "ein oder mehrere Zusammenstöße" verhindert werden können. Der Intercity oder zumindest Teile von ihm befanden sich demnach nach dem Unfall nicht mehr auf dem eigentlichen Gleis. "Der Zugführer steht völlig unter Schock", sagte Krakovitch.

"Musste über eine Person steigen, deren Kopf abgerissen war"
Ein betroffener Passagier sagte der Nachrichtenagentur AFP, als er sich aus dem Waggon befreit habe, habe er über "eine Person steigen müssen, deren Kopf abgerissen war". Kurz nach der Abfahrt aus Paris habe es einen ersten Stoß gegeben, dann einen zweiten - und der Waggon sei abgehoben. "Dann gab es einen dritten und vierten Stoß, und der Waggon hat sich hingelegt."

Bürgermeister: "Apokalyptischer Anblick"
Bretignys Bürgermeister Bernard Decaux sprach von einem "apokalyptischen Anblick". Vor dem Bahnhof standen Dutzende Feuerwehr- und Polizeiwagen, das gesamte Bahnhofsviertel wurde abgesperrt, um die Rettungsarbeiten zu erleichtern, die auch den gesamten Samstag über andauerten.

Keine weiteren Opfer mehr unter Trümmern gefunden
Befürchtungen, dass bei den Bergungsarbeiten weitere Opfer gefunden werden könnten, bestätigten sich nicht. "Wir sind uns jetzt sicher, dass es keine weiteren Opfer gibt", sagte Fuzeau am Samstagabend an der Unglücksstelle. Zuvor war der am schwersten beschädigte Waggon mit einem 700-Tonnen-Kran wieder aufgerichtet worden. Insgesamt waren 385 Passagiere an Bord gewesen.

Die Strecke blieb zunächst komplett gesperrt. Tausende Reisende, die am Wochenende in Richtung Orleans, Limoges und Toulouse wollten, mussten auf andere Transportmittel ausweichen oder daheim bleiben. Zu Beginn der großen Sommerreisezeit bedeutet dies für die SNCF einen großen Verlust.

Das Drama von Bretigny-sur-Orge ist die größte Zugkatastrophe in Frankreich seit 1988. Damals waren bei einem Unglück im Pariser Bahnhof Gare de Lyon 56 Menschen ums Leben gekommen.

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