07.07.2013 10:12 |

Nach zehn Jahren

London schiebt Bin-Laden-Intimus nach Jordanien ab

Nach rund einem Jahrzehnt juristischen Gerangels hat die britische Regierung den terrorverdächtigen islamistischen Prediger Abu Qatada nach Jordanien abgeschoben. Der 53-Jährige verließ Großbritannien in der Nacht auf Sonntag um 02.46 Uhr (Ortszeit, 03.46 Uhr MESZ) an Bord einer Militärmaschine, die vom Stützpunkt Northolt westlich von London abhob.

Fernsehbilder zeigten Qatada, der als rechte Hand von Osama bin Laden galt, als er an Bord ging. Zuvor war er in einem gepanzerten Polizeifahrzeug aus dem Hochsicherheitsgefängnis Belmarsh im Südosten Londons zum Flugplatz gebracht worden. Innenministerin Theresa May bestätigte, dass Qatada das Land verlassen habe. Er sei an sein Herkunftsland Jordanien ausgeliefert worden, um dort wegen Terrorismus zur Rechenschaft gezogen zu werden, erklärte May. Laut einem jordanischen Vertreter sollte Qatada am Vormittag landen.

Die Auslieferung war möglich geworden, nachdem sich beide Länder auf ein Abkommen geeinigt hatten. Darin wird garantiert, dass durch Folter gewonnene Beweise nicht in einem Gerichtsverfahren benutzt werden dürfen. London strebte seit gut einem Jahrzehnt danach, den in Bethlehem geborenen Abu Qatada auszuliefern.

Jordanien will Verfahren neu aufrollen
Die jordanische Justiz will zwei Gerichtsverfahren gegen ihn wegen der Verwicklung in Terroranschläge neu aufrollen. Der gebürtige Palästinenser Abu Qatada, der eigentlich Omar Mohammed Othman heißt, wehrte sich jedoch mehrfach erfolgreich gegen die Auslieferung. Die britischen Justizbehörden machten geltend, in den jordanischen Verfahren gegen ihn könnten unter Folter gewonnene Informationen verwendet werden.

Abu Qatada lebte seit 1993 in Großbritannien, wo er Asyl beantragte. 2002 wurde er erstmals festgenommen, seitdem hat er den Großteil seiner Zeit in Haft oder unter Hausarrest verbracht. Erst Mitte Mai entschied ein Gericht erneut, Abu Qatada sei "eine Gefahr für die nationale Sicherheit" und müsse weiterhin in Haft bleiben. Er steht auf einer Liste der Vereinten Nationen mit Namen von Menschen, die in die Terroranschläge vom 11. September 2001 verwickelt sein sollen. In Jordanien war Abu Qatada 1998 in Abwesenheit zu lebenslanger Haft und Zwangsarbeit verurteilt worden.

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