07.07.2013 09:00 |

Braver Papa

Robbie Williams: Die Metamorphose des Rock-Idols

Robbie Williams war einmal der über und über tätowierte wilde Hund des britischen Rock. Jetzt weilt er wieder auf Tournee, am 17. Juli spielt er in Wien. Inzwischen ist der 39-Jährige aber auch ein gesetzter Familienvater – und spricht ganz offen über sein neues Ich zwischen Bühnenshow und Baby-Idylle.

Gar nicht so einfach, wenn ein Star allen Klischees gleichzeitig entsprechen will. Der britische Rock-Haudegen Robbie Williams spult seit rund einem Monat seine "Take The Crown"-Tournee ab – da will er natürlich nach drei Jahren Pause zeigen, dass er immer noch die Fußballstadien zum Sieden bringt und zu den ganz harten Jungs des Musikgeschäfts gehört. Gleichzeitig ist er aber seit 18. September 2012 ein zärtlicher Familienvater und verbringt seine Zeit eigentlich am liebsten mit Ehefrau Ayda Field (34) und Töchterchen Theodora Rose. Die beiden begleiten ihn auch auf der Konzert-Tour.

Ja, tatsächlich: Ein Popstar, der sich zwei Stunden lang vor 60.000 Fans zu heulenden Gitarren verausgabt – der stürzt sich nach dem Konzert nicht in eine Drogenparty mit blutjungen Groupies, wie man das von solchen Leuten eben kennt, sondern kuschelt sich mit dem zehn Monate alten Baby und der zugehörigen Mama ins Hotelbett. So geht das eben, wenn die ewig jungen Helden dann doch einmal erwachsen werden.

"Ich werde Sex auf der Bühne haben"
Freilich, die Erwartungen an den bösen Buben, die muss Robbie trotzdem irgendwie erfüllen, weshalb er auch im Vorfeld der Tournee jede Menge rotzfrecher Interviews gab. "Ich werde Sex auf der Bühne haben – mit mir selbst", kündigte er im Londoner Massenblatt "The Sun" ironisch an. In Anspielung auf den Titel der Konzertreise - auf Deutsch so viel wie "Hol dir die Krone" - meinte er: "Ich war drei Jahre weg, doch niemand hat die Zeit genutzt, um den Pop-Thron an sich zu reißen. Die Stadien gehören wieder mir."

Im Exklusivinterview mit "Krone"-Musikexpertin Franziska Trost klang der Brite aus der "depressiven Industriestadt", wie er seine Heimat Stoke-on-Trent nennt, freilich deutlich milder. "Mein Baby macht mich zu einem entspannteren Menschen. Ich bin viel glücklicher und geerdeter, seit die Kleine auf der Welt ist. Wahrscheinlich werde ich auf Tour besser schlafen, weil sie da ist – nicht schlechter."

"Trage Verantwortung für zwei Menschen"
Robbie sagt, er habe sich bewusst gemacht, dass er nicht mehr einfach vor sich hin leben kann, sondern "Verantwortung für zwei Menschen trägt". Die Folge sei, dass er sich von früheren Exzessen verabschiedet habe, bewusster lebe und sich auch seinem Alter stelle – immerhin wird er nächstes Jahr 40. "Ich verstehe jetzt, was die Leute mit Midlife-Crisis meinen. Man ist immer noch dieselbe Person wie 20 Jahre vorher, aber man bekommt Falten und der Metabolismus wird langsamer. Ich verstehe, warum sich Menschen ihre Zähne bleichen und die Haare färben lassen – also bitte, erwartet euch Faceliftings und gefärbte Haare von mir in naher Zukunft."

Die Sorge um die körperliche Fitness ist nicht einfach nur Koketterie. Robbie trieb viel Sport, ging laufen und stemmte Gewichte, um sich noch einmal in Form zu bringen, "bevor es nicht mehr möglich ist. Ich habe im Fernsehen gesehen, wie mein Bauch raussteht. Und trotzdem tut man so, als ob man sexy wäre, weil man ein Popstar ist – dabei fühlt man sich schuldig und schlecht. So möchte ich mich nicht mehr fühlen."

Neo-Vater verlässt nur ungern das Haus
Und mit noch einem sehr persönlichen Outing lässt Williams aufhorchen: Er fürchte sich bei Menschenansammlungen. Eine Rampensau mit Agoraphobie? Ja, dieses Paradoxon ist ihm bewusst. Privat verlässt der Neo-Vater nur ungern das Haus. Umso mehr dürfen die Fans dankbar sein, dass er im Schutze seiner Musik bei den Auftritten alle Ängste gekonnt kompensiert.

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