Mi, 20. Februar 2019
03.06.2013 13:47

So groß wie Ö

Aborigines rufen unabhängigen Staat in Australien aus

Die Bestrebungen von Teilen der australischen Ureinwohner, sich von der britischen Herrschaft und ihrem Land abzuspalten, haben einen neuen Schub erhalten: Die Murrawarri haben in Teilen von Queensland und New South Wales einen eigenen Staat ausgerufen, der in etwa so groß ist wie Österreich. Noch in diesem Jahr wollen die Aborigines die UNO um Anerkennung ihrer Souveränität anrufen. Und sie sind nicht allein: 26 weitere Aborigines-Nationen scharren in den Startlöchern.

750 Kilometer nordwestlich von Sydney liegt die Republik Murrawarri - die Heimat des Aborigines-Stammes, Zehntausende Jahre vor Ankunft der britischen Siedler. Etwa 81.000 Quadratkilometer groß ist der raue, von Überflutungen geplagte Landstrich, den die Ureinwohner ganz für sich zurückwollen.

Nachdem weder die britische Krone - Königin Elisabeth II. ist das Staatsoberhaupt Australiens - noch die Regierung des Landes auf die Forderungen der Murrawarri reagierten, riefen sie Ende März die Unabhängigkeit aus.

Aborigines "nie nach Souveränität gefragt"
Die Besetzung Australiens sei von Beginn an, mit der Ankunft Captain Cooks im Jahr 1770, illegal gewesen, sind die Murrawarri überzeugt. Schon seit 1972 treten sie daher für ihre Unabhängigkeit ein, berichtet das "Time"-Magazin. Einer der Anführer der Bewegung ist der ehemalige Baumwollarbeiter Michael Anderson, der 1981 als erster Ureinwohner Australiens vor den Vereinten Nationen sprach. Die Briten hätten "nie nach unserer Souveränität gefragt und wir haben sie nie aufgegeben", so Anderson gegenüber "Time". Daraus sei die Hypothese entstanden, dass die Briten in Wahrheit nie Anrecht auf das Land gehabt hätten.

Recht auf Land erst sehr spät anerkannt
1992 kam es zu einem revolutionären Urteil des Höchstgerichts Australiens: Nach zehn Jahren Gerichtsstreit wurde dem Aborigine Eddie Koiki Mabo - der vier Monate zuvor an Krebs gestorben war - das Recht auf seinen Geburtsort, Murray Island, zugesprochen. Dieses Urteil führte zu einer Gesetzesänderung, die es in den darauffolgenden zehn Jahren fast 200 Ureinwohnern erlaubte, insgesamt 1,3 Millionen Quadratkilometer enteigneten Landes zurückzuerhalten. Doch die Verfahren ziehen sich meist extrem in die Länge - nur die Anwälte würden vom System profitieren, so die Kritiker.

UNO soll über Aborigines-Staat entscheiden
Die Murrawarri wollen diesen Kampf nun auf andere Weise fortführen und noch in diesem Jahr vor den Vereinten Nationen um die Anerkennung als eigener Staat bitten. Und sie sind damit nicht allein: Insgesamt 27 Aborigines-Staaten verlangen die Unabhängigkeit von Australien. Bis dahin steht jedoch nicht nur ein möglicherweise jahrzehntelanges Verfahren vor dem Internationalen Gerichtshof.

Zweifel an Staatsgründung
Vielerorts wird auch angezweifelt, ob die Aborigines tatsächlich in der Lage wären, einen eigenen Staat auf die Beine zu stellen. Zahlreiche Ureinwohner haben mit schlechter Gesundheit und hohen Kriminalitätsraten zu kämpfen, sind arbeitslos und vom Sozialstaat abhängig. Zudem wolle die Mehrheit der 3.000 bis 4.000 Einwohner der Republik Murrawarri gar keine Unabhängigkeit, so das "Time"-Magazin. Viele hätten Angst vor dem Zusammenbruch der öffentlichen Strukturen.

Aborigines wollen friedlich zur Unabhängigkeit
Michael Anderson will sich davon aber nicht aufhalten lassen. Man setze auf niedrige Steuern und neue Beschäftigungsmöglichkeiten sowie auf neue Finanzierungsmodelle, etwa durch Reparationszahlungen und Finanzhilfe aus den USA. Auch eine Klage gegen Großbritannien wegen Plünderei des Landes sei möglich. "Unsere Leute sind mündig und intelligent", so Anderson. "Wir schnappen uns keine Waffen oder werfen Molotowcocktails. Wir haben die Gesetze unserer Eroberer studiert, bewiesen, wie sie sie gebrochen haben, und verwenden diese Gesetze nun gegen sie. Wir werden eine Angelegenheit forcieren, über die die australische Regierung nicht diskutieren will."

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