Ärztliche Vertreter des LKH Hochsteiermark bleiben am Gaspedal und fordern, trotz starkem Gegenwind, neue Strukturen. Insbesondere die Zukunft der Akutambulanz in Bruck sorgt für Unruhe. Am Donnerstag zeichneten Mediziner ein beunruhigendes Bild, wollten zugleich aber auch Lösungen präsentieren.
Es ist die geballte medizinische Leitungskompetenz, die am Donnerstag aufgeboten wird. „Wir leiden unter dem Personalmangel im Anästhesiebereich und können nur die allerdringlichsten Patienten operieren“, sagt Thomas Allmayer, Leiter der Gefäßchirurgie am LKH Hochsteiermark. Der Brucker Radiologie-Leiter Josef Taus schildert es noch drastischer: „Einige Patienten haben schon schwarze Zehen und müssen dennoch zwei Monate auf einen Termin warten.“
Urologe Gerhard Posch hält fest: „Dass es mit der derzeitigen Struktur noch funktioniert, liegt am Einsatz der Mitarbeiter.“ Und Günther Hirschberger, Sprecher der niedergelassenen Ärzte im Bezirk Bruck-Mürzzuschlag, schildert: „Wir telefonieren oft eine halbe Stunde, wohin wir schwerverletzte Patienten bringen können, das ist ein untragbarer Zustand.“
„Wir vermehren die Struktur“
Die gemeinsame Botschaft: Es brennt der Hut im LKH Hochsteiermark – daher braucht es Strukturreformen, in der Hoffnung, dadurch die Versorgung sichern zu können und für Ärzte wieder attraktiver zu werden. Konkret soll ja mit 13. Jänner die unfallchirurgische Akutambulanz in Bruck geschlossen und nach Leoben transferiert werden, in Bruck sollen dann nur noch Kontrollen durchgeführt und kleinere Verletzungen versorgt werden (Montag bis Freitag, 7 bis 15 Uhr).
Der Aufschrei in der Region ist groß, insbesondere bei SPÖ-Vertretern. Dabei entstehe mit Leoben eine zusätzliche Ambulanz, „wir vermehren also die Struktur“, versucht Kages-Vorstandsvorsitzender Gerhard Stark zu kalmieren. Personell sind die zwei Standorte laut Unfallchirurgie-Leiter Gerhard Bratschitsch „gerade noch machbar“.
Erich Schaflinger, ärztlicher Direktor des LKH Hochsteiermark, betont: „Jede andere notärztliche Versorgung am Standort Bruck geht weiter: internistisch, neurologisch, augenärztlich und intensivmedizinisch.“ Schaflinger findet gewohnt deftige Worte, spricht von „kaputten Strukturen“ und „jahrelangen Versäumnissen“.
Lösung mit Judenburg als großer Wunsch
Wunschvariante wäre für ihn ohnehin, wie berichtet, eine gemeinsame Lösung mit dem LKH Murtal: mit einem unfallchirugischen Zentrum in Leoben, wo auch Schwerverletzte operiert werden (derzeit kommen sie vor allem nach Graz oder Wiener Neustadt) sowie Akutambulanzen in Judenburg und Bruck, die rund um die Uhr besetzt sind.
Eine Lösung, für die derzeit laut Bratschitsch bis zu 15 Ärzte fehlen würden und die von der Politik forciert werden müsste. Noch hält sich die neue blau-schwarze Landesregierung zu den Gesundheitsplänen eher bedeckt, den neuen regionalen Strukturplan will sie erst nach der Entscheidung um das Leitspital Liezen festlegen – also nicht vor dem zweiten Quartal 2025.
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