Der Neubau des Nordzulaufs für den Brenner Basistunnel im Bereich Kufstein Morsbach nimmt Gestalt an: Die ÖBB brauchen dafür erneut Flächen von den Bauern. Diese fürchten um ihre Existenzgrundlage.
Zulaufstrecken für den Brenner Basistunnel sind im benachbarten Bayern bereits schwer umstritten. Auch in Tirol ist der Ausbau der Bahntrasse unausweichlich, soll der Güterverkehr in Zukunft tatsächlich auf die Schiene verlagert werden.
Doch je konkreter die Pläne werden, desto mehr Probleme zeichnen sich ab. Denn der Bahnausbau im Unterland nimmt enorme Flächen in Anspruch. Und es sind nicht irgendwelche Flächen, sondern es handelt sich um wertvollstes Ackerland, von dem in der Inntalfurche nicht allzu viel vorhanden ist. Konkret geht es nun um den Bauabschnitt Kufstein – Langkampfen. Hier ist eine Unterflurtrasse mit Tunneleintritt in der Nähe von Kufstein Morsbach geplant.
Einzelne Grundeigentümer waren bereits betroffen, jetzt werden von ihnen erneut Flächen gebraucht. Es stehen aus unserer Sicht geeignete Flächen zur Verfügung, gerade im Forstbereich.

ÖVP-LA Michael Jäger
Bild: Charly Lair, Die Fotografen
Teilflächen für immer verloren
Die nackten Zahlen dazu lassen bei den Bauern der Region alle Alarmglocken schrillen: Mit 30 bis 34 Hektar beziffern die ÖBB den Flächenbedarf für Baustelleneinrichtungen rund um diesen Bauabschnitt im Zeitraum von zehn bis zwölf Jahren. „Von diesen werden 6 bis 8 Hektar nach der Bauphase komplett verbaut, das heißt, sie gehen für die landwirtschaftliche Produktion verloren, – und zwar für immer“, sorgt sich VP-LA Michael Jäger um die heimische Lebensmittelerzeugung.
Wie Ausgleich stattfinden soll, ist unklar
Ein Bauer sei besonders stark betroffen: „Er müsste riesige Flächen abgeben, das wäre für ihn wirtschaftlich der Ruin“, erläutert Jäger. „Ein weiteres Problem ist die Mehrfachbelastung: Einzelne Grundeigentümer waren bereits im oberen Streckenabschnitt von Radfeld bis Schaftenau mit ökologischen Ausgleichsflächen betroffen. Jetzt werden erneut Flächen für die Baumaßnahmen gebraucht. Und der Bedarf an ökologischen Ausgleichsflächen für diesen Bauabschnitt ist noch gar nicht bekannt“, sagt Jäger.
Baustelle so groß wie 42 Fußballfelder
Wie groß der Flächenverbrauch ist, zeigt ein einfaches Rechenbeispiel: Ein Fußballfeld in einem Stadion der UEFA misst 105 mal 68 Meter, das sind 0,714 Hektar. Die ÖBB beanspruchen demnach eine Fläche so groß wie 42 Fußballfelder. Am Mittwoch stellten die Projektverantwortlichen der ÖBB im Zuge einer Versammlung den Grundeigentümern diese Pläne vor.
„Der geplante Streckenabschnitt befindet sich in einer Region, wo der Druck auf Grund und Boden extrem hoch ist – Autobahn, Gewerbe und jetzt auch die Bahn erhöhen mit ihrem Flächenbedarf diesen Druck. Als Interessenvertretung fordern wir deshalb für die weitere Planungsphase die höchst mögliche Flexibilität bei der Grundinanspruchnahme – nicht nur für die Baustelleneinrichtung, sondern auch für die ökologischen Ausgleichsflächen“, sagt Jäger.
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