ÖFB-Teamchef Ralf Rangnick kämpfte bis zuletzt um Geschäftsführer Bernhard Neuhold, einen seiner engsten Vertrauten. Warum sein Mail aber keine Wirkung zeigte – und mit der Strukturreform auch der Präsident Macht ab. Eine Kolumne von Christian Reichel.
Macher geben gerne die Richtung vor, streben danach, dass nach ihrer Pfeife getanzt wird. Ralf Rangnick gehört zur Kategorie Macher, hat als österreichischer Teamchef einiges bewirkt. Er versuchte auch am Freitag, das Ruder noch herumzureißen: Zwei Stunden vor Sitzungsbeginn in Wien verschickte der Deutsche über seine Adresse eine Mail an die 13 Präsidiums-Mitglieder im ÖFB. Inhalt: Ein Appell des Trainer-Teams und des Spieler-Rats um Marko Arnautovic, in der die Wichtigkeit von Geschäftsführer Bernhard Neuhold für die Mannschaft betont wurde.
Das Präsidium hatte da längst das große Bild im Auge, pochte darauf, dass im ÖFB Ruhe einkehren muss. Daher führte kein Weg mehr an der Trennung von den miteinander zerstrittenen Geschäftsführern Neuhold und Thomas Hollerer vorbei. Dies wurde ebenso beschlossen wie die Strukturreform. Rangnick verliert damit einen Mitstreiter aus dem Kreis seiner engsten Vertrauten im ÖFB.
Mehr Professionalität
Der Präsident geht bei der Neuordnung mit gutem Beispiel voran: Denn Klaus Mitterdorfer verzichtet auf sein Vorschlagsrecht bei der Teamchef-Bestellung, überlässt dies Fachleuten. Diese wird Sache der Geschäftsführung und von beigezogenen Experten. Dies gilt auch für das Frauen-A-Team – die U21 und der Nachwuchs werden in die Kompetenz des noch zu ernennenden Geschäftsführers Sport (Peter Schöttel ist Favorit) fallen. Hollerer ist ein Kandidat für den Geschäftsführer Wirtschaft.
Klar ist, wie der Verband bei kürzeren Entscheidungswegen künftig ticken soll: indem mehr Wert auf Professionalität gelegt und von allen ein konstruktives Miteinander eingefordert wird. Dass das ÖFB-Präsidium über Themen wie den regionalen Nachwuchs-Fußball entscheidet, ist ebenso Geschichte - in diesem Zuge soll die Rolle der Geschäftsführer und der Sportdirektoren in den Landesverbänden aufgewertet werden.
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