Jener Mann, der am Donnerstag vor dem NS-Dokumentationszentrum in München vorgefahren ist und auf Polizeiposten vor dem Gebäude gefeuert hat – krone.at berichtete –, war ein 18-jähriger Österreicher mit bosnischen Wurzeln.
Emrah I., ein gebürtiger Salzburger, war bereits amtsbekannt. Im Frühjahr 2023 gab es in Salzburg eine Anzeige wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung (§278b StGB), weil auf seinem Handy Propagandamaterial der Terrormiliz IS gefunden worden war. Er galt aber nicht als sogenannter Hochrisiko-Gefährder. Das Verfahren wurde eingestellt.
Am frühen Donnerstagvormittag fuhr der 18-Jährige nun vor dem NS-Dokumentationszentrum vor und feuerte mit einem Repetiergewehr älterer Bauart (siehe Bild unten) auf Polizeiposten vor dem Gebäude.
Wurde von Polizeikräften erschossen
„Er hat gezielt auf die Polizisten geschossen, die haben das Feuer erwidert“, sagte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann. Der Schütze wurde schwer verwundet und starb später. Nach Angaben der Behörden gab es keine weiteren Verletzten.
Hintergründe und Motiv sind noch unklar. „Wir erhalten Kommentare mit Spekulationen und Falschinformationen“, schrieb die Polizei und appellierte zugleich: „Ihr könnt uns am meisten helfen, wenn ihr dies unterlasst und Gerüchte nicht teilt.“ Die Kollegen würden auf Hochtouren arbeiten. Sobald gesicherte Informationen vorlägen, würden diese mitgeteilt.
Tat am Jahrestag des Olympia-Anschlages
Die Tat geschah just am 52. Jahrestag des Olympia-Anschlags vom 5. September 1972. Damals nahmen palästinensische Terroristen mehrere israelische Sportler als Geiseln.
Bei einer dilettantischen Befreiungsaktion der westdeutschen Polizei starben damals alle Geiseln. Das Dokumentationszentrum befindet sich zudem in der Nähe des israelischen Generalkonsulats in München.
Israels Präsident spricht von „Terroranschlag“
Israel Präsident Isaac Herzog verurteilte gemeinsam mit dem deutschen Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier die Tat. Beide hätten in einem Telefonat ihre „gemeinsame Verurteilung und unser Entsetzen“ über die Tat „in der Nähe des israelischen Konsulats in München zum Ausdruck gebracht“, schrieb Herzog, der dabei von einem „Terroranschlag“ sprach, auf X (vormals Twitter).
Söder spricht von „schlimmen Verdacht“
Auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder sprach von einem „schlimmen Verdacht“ und verwies auf einen möglichen Zusammenhang zwischen der Tat und dem Gedenktag an das Attentat auf die israelische Olympia-Mannschaft in München am 5. September 1972. Der Schutz jüdischer Einrichtungen sei für ihn von ganz zentraler Bedeutung.
Wie das israelische Außenministerium mitteilte, waren keine Mitarbeiter des Generalkonsulats von dem Vorfall betroffen. In der diplomatischen Vertretung habe es gerade eine Gedenkfeier zum Olympia-Attentat gegeben, deshalb hatte es den Angaben zufolge geschlossen. Generalkonsulin Talya Lador-Fresher, frühere Botschafterin in Wien, sagte dazu: „Dieses Ereignis zeigt, wie gefährlich der Anstieg des Antisemitismus ist.“ Sie betonte: „Es ist wichtig, dass die breite Öffentlichkeit ihre Stimme dagegen erhebt.“
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