Hochzeitsfeiern haben im Sommer Hochsaison. Viele Brautpaare möchten ihren großen Tag für sich und ihre Familie unvergesslich machen. Mit viel Liebe zum Detail werden mehrere Programmpunkte und Überraschungen geplant. Doch Tauben fliegen zu lassen, ist nicht mehr zeitgemäß und kann dem Paar böse Blicke von tierlieben Gästen einbringen.
Sie gelten als Symbol der Liebe und Treue, weil sie lebenslang mit einem auserwählten Partner zusammenbleiben – die Tauben. Wer heiratet, hat gewöhnlich denselben Wunsch. Und so hat sich der „Auflass“ (fliegen lassen) weißer Tauben zu einem beliebten Hochzeitsbrauch entwickelt.
Weniger romantisch ist die Art und Weise, wie einige per Mausklick bestellten Vögel die Prozedur wohl empfinden: „Der Transport in kleinen Boxen, die Trennung vom Partner, der Lärm bei einer Hochzeit, das plötzliche Aufmachen der Käfige und das damit einhergehende Blenden durch grelles Licht, das Angreifen durch fremde Menschen: All das bedeutet für die sensiblen Tiere immensen Stress“, sagt Veronika Weissenböck von der Tierschutzorganisation „Vier Pfoten“.
Hinzu kommt, dass nach dem „Aussetzen“ ein Großteil der orientierungslosen „Ziertauben“ verhungern oder von Greifvögeln getötet werden. Das soll ein gutes Omen für eine Ehe sein?
Finden oft nicht heim
Die Eulen- und Greifvogelstation in Haringsee, die verletzte kleine Wildtiere aufnimmt und pflegt, weiß davon ein Lied zu singen: Immer wieder werden geschwächte weiße Tauben übernommen, die offensichtlich bei Hochzeiten frei gelassen worden, danach völlig orientierungslos sind und ihren Taubenschlag nicht mehr finden.
Das Problem liegt aber bereits in der Zucht: Laut „Vier Pfoten“ werden Hochzeitstauben hauptsächlich auf hübsches Aussehen und auf ein spezielles Gefieder gezüchtet: „Dabei geht oft die gute Orientierungsfähigkeit, die Tauben normalerweise haben, verloren“, erklärt der Leiter der Station in Haringsee, der Veterinärmediziner Dr. Hans Frey. „Wenn sie dann freigelassen werden und die Gegend nicht kennen, sind sie völlig hilflos und haben Probleme, in der Natur zu überleben.“
Trauriges Ende
So kann es durchaus passieren, dass sie noch bei der Hochzeit gegen eine Fensterscheibe fliegen und verenden. Oder sie kommen in ihrer Panik einer Oberleitung oder einem anderen Hindernis zu nahe. Durch ihre auffällige Färbung leuchten sie aus einem Taubenschwarm regelrecht heraus und sind deshalb bevorzugte Beute von Beutegreifern. „Kein schöner Anblick, wenn das vielleicht noch bei der Hochzeit selbst passiert“, sagt Dr. Frey.
Derzeit hat Haringsee vier weiße Tauben in Obhut, die orientierungslos aufgefunden und dem Team gebracht wurden. Werdende Ehepaare sollten sich überlegen, ob sie das Leid von Tieren wirklich in Kauf nehmen wollen für ein Schauspiel, das nur wenige Sekunden dauert.
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