22.11.2012 15:20 |

Weg aus der Krise

Reiche EU-Senioren sollen Griechenland sanieren

Um den Staatshaushalt wieder in den Griff zu bekommen, scheint der Kreativität in Griechenland kaum noch eine Grenze gesetzt zu sein. Der neueste Vorstoß aus dem krisengeschüttelten Land lautete am Donnerstag, wohlhabende Senioren aus EU-Ländern nach Griechenland zu locken und ihnen dort finanzielle Vorteile zu bieten. Die eigene Bevölkerung wird unterdessen mehr und mehr zum Sparen angehalten und muss mit harten Einschnitten leben.

Pensionisten aus EU-Ländern, die sich dauerhaft im Lande niederlassen oder dort einen Zweitwohnsitz erwerben wollen, sollen künftig durch Steueranreize begünstigt werden. Athen hofft, damit wieder Geld für die leeren Staatskassen zu lukrieren und den darniederliegenden Immobilienmarkt und den Konsum wiederzubeleben.

Verlockendes Angebot für wohlhabende Europäer
Zu den Plänen gehört auch eine drastische Senkung der Grunderwerbssteuer für die betreffenden Immobilienkäufer. Außerdem soll im Ausland erworbenes Einkommen nicht in Griechenland, sondern im Herkunftsland versteuert werden, selbst wenn der Steuerpflichtige mehr als ein halbes Jahr in Griechenland lebt.

Eine vergleichbare Regelung sei auch für andere einkommensstarke Ausländer wie Manager vorgesehen, schrieb eine griechische Zeitung am Donnerstag. Darüber hinaus sollen Bürger von Drittstaaten, die in Griechenland einen Erst- oder Zweitwohnsitz im Wert von mindestens 300.000 Euro erwerben, mit ihren Angehörigen ein dauerhaftes Aufenthaltsrecht bekommen.

Eigene Bürger leiden unter den Sparmaßnahmen der Regierung
In der Bevölkerung wird der Vorstoß vermutlich nicht sehr gut aufgenommen werden, denn bei den Griechen selbst wird in allen Bereichen der Rotstift angesetzt. Das griechische Parlament hatte erst vor rund zwei Wochen weitere Einsparungen in Höhe von 18,5 Milliarden Euro bis zum Jahr 2016 gebilligt (siehe Infobox). Die neuen Maßnahmen sehen neben Massenentlassungen im öffentlichen Dienst und Steuererhöhungen vor allem weitere Kürzungen bei Pensionen und Gehältern, im Gesundheits- und Sozialwesen sowie Streichungen beim Kinder- und Weihnachtsgeld vor.

Die Zustimmung des Parlaments war zwar die Voraussetzung für die Auszahlung der nächsten Tranche in Höhe von 31,5 Milliarden Euro aus einem umfangreichen Hilfsprogramm für Griechenland von der Geldgeber-Troika aus EU, Europäischer Zentralbank und Internationalem Währungsfonds, doch bislang konnten die Verhandler noch keine Einigung erzielen (siehe Infobox). Somit wartet Griechenland weiterhin auf die dringend benötigte Hilfe.

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