Fachkräftemangel

Wo man gut leben kann, arbeitet man auch gerne

Vorarlberg
11.06.2024 15:45

Die Arbeitsmarkt-Expertin Gabriele Schmid hat in Feldkirch eine Analyse zum eklatanten Fachkräftemangel vorgestellt. Die gute Nachricht: Es gibt nach wie vor viele brachliegende Potenziale. 

Gabriele Schmid, Leiterin der „Stabstelle Fachkräfte“ in der Arbeiterkammer Wien, hat ein Whitepaper zum Fachkräftebedarf verfasst. Ihr grundsätzlicher Befund wird die wenigsten überraschen: In Österreich – ganz besonders auch in Vorarlberg – fehlen an vielen Stellen Facharbeitskräfte.

Der Teufel stecke jedoch im Detail, betont die Expertin. So müsse etwa für eine seriöse Beurteilung der Lage genau zwischen „Arbeitskräften“ und „Fachkräften“ unterschieden werden: „Dass Fachkräfte mit speziellen Qualifikationen fehlen, rechtfertigt keineswegs unternehmerische Klagen über Arbeitskräfte, die unbefriedigende Arbeitsbedingungen nicht mehr schultern wollen“, beklagt Schmid die Tendenz, alle Beschäftigten in einen Topf zu werfen. Für den Fachkräftemangel hat sie drei Hauptgründe ausgemacht:

  • Die Betriebe bilden immer weniger Lehrlinge aus und ziehen sich aus der betrieblichen Weiterbildung zurück – seit 2015 nahm der Anteil der weiterbildungsaktiven Unternehmen von 88 Prozent auf 79 Prozent ab.
  • Viele ältere Fachkräfte verlassen den Arbeitsmarkt in die Pension. Die Erwerbsbevölkerung wird zwischen 2018 und 2040 um rund 245.000 Personen schrumpfen. Gleichzeitig könnten aber 450.000 Personen für den Arbeitsmarkt gewonnen werden, wenn die Rahmenbedingungen – Stichwort Kinderbetreuung – verbessert würden.
  • Digitalisierung und sozial-ökologischer Umbau gehen Hand in Hand und krempeln die Arbeitswelt grundlegend um. Im Zuge der Transformation müssen sich auch die Qualifikationen der Arbeitnehmenden anpassen, was allerdings nur unzureichend passiert.

Stellt sich natürlich die Frage, wie man dem Fachkräftemangel Herr werden kann. Die Experten der Ländle-AK haben für den hiesigen Arbeitsmarkt gleich mehrere Handlungsfelder ausgemacht: Oberste Priorität müsse die Erhöhung der Frauenerwerbsquote haben. Das könne allerdings nur mit einer besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf gelingen, eine Ausweitung der Kinderbetreuungsangebote bereits ab dem ersten Lebensjahr sei unabdingbar. Weiters führe kein Weg an einer Qualifizierungsoffensive vorbei. In Vorarlberg ist der Anteil von ungelernten und niedrig qualifizierten Arbeitnehmern vergleichsweise hoch, dieses Potenzial sollte dringlichst mobilisiert werden, um den Fachkräftebedarf zu decken.

Großes Potenzial

450.000 Personen könnten bis 2040 zusätzlich für den österreichischen Arbeitsmarkt mobilisiert werden, wenn die Rahmenbedingungen verbessert würden. 

Und nicht zuletzt müssten im Wettbewerb um internationale Fachkräfte die Lebensbedingungen attraktiver werden. Das mit Abstand größte Manko im Ländle sei die enorme Wohnkostenbelastung, die viele abschrecke. Eine intensive Ausweitung der gemeinnützigen Miet- und Mietkauf-Wohnungen in Vorarlberg sei alternativlos, um den Preisdruck aus dem privaten Mietwohnungsmarkt zu nehmen. Oder wie es AK-Präsident Bernhard Heinzle formuliert: „Gute Arbeits- und Lebensbedingungen in Vorarlberg sind die Antwort auf den Fachkräftebedarf.“

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