12.09.2012 13:19 |

Kriegskassa gefüllt

Taliban mit 400 Millionen Dollar Jahreseinnahmen

Die Taliban verfügen nach Angaben der Vereinten Nationen über eine prall gefüllte Kriegskassa zur Finanzierung ihres Aufstands in Afghanistan. Laut einem UNO-Bericht haben die früheren Herrscher des Landes binnen eines Jahres rund 400 Millionen Dollar lukriert. Die Gelder stammen dabei aus Steuern, Spenden sowie der Erpressung von Geschäftsleuten und Drogenhändlern. Zudem habe die radikalislamische Bewegung weitere Hunderte Millionen Dollar abgezweigt, die für Entwicklungsprojekte bestimmt waren.

Rund 275 Millionen Dollar der zwischen März 2011 und März 2012 eingenommenen Gelder gehen laut dem UNO-Bericht an die Führung der Taliban. Die restlichen 125 Millionen Dollar würden auf lokaler Ebene verwendet oder abgezweigt werden. Nach Angaben der in dem Bericht zitierten NATO-geführten Afghanistantruppe ISAF gibt die radikalislamische Bewegung pro Jahr bis zu 155 Millionen Dollar direkt für Angriffe ihrer Milizen aus, während der Rest des Geldes zur allgemeinen Finanzierung des Aufstands ausgegeben wird.

Taliban-Milizen agieren wie lokale Verwaltung
Demnach konnten die Taliban seit 2006 ihren Kampf gegen die Regierung und die ausländischen Truppen vor allem wegen der gestiegenen Einnahmen ausweiten. So erheben die Islamisten in den von ihnen kontrollierten Regionen etwa Steuern auf Ernten, vor allem beim für den Drogenhandel wichtigen Mohnanbau. Auch Wasser, Elektrizität und Vermögen werden dem Bericht zufolge besteuert. Außerdem werden in einigen Regionen des Landes zehn Prozent Steuer von lokalen Ladenbesitzern und kleineren Unternehmen eingehoben, hieß es weiter. Die Milizen würden in vielen Gebieten Afghanistans wie lokale Verwaltungen agieren, so die Schlussfolgerung des Berichts.

Am Drogenhandel selbst sind die Taliban den Angaben zufolge jedoch nur in geringem Umfang beteiligt. Insgesamt geht der Bericht von einem Gesamtvolumen des Drogenhandels von bis zu vier Billionen Dollar in den Jahren 2011 und 2012 aus, an dem die Aufständischen lediglich einen Anteil von etwa 100 Millionen Dollar hätten. Dies weise darauf hin, dass die Islamisten nur geringe Anstrengungen zur Nutzung dieser Geldquelle machen würden, hieß es in dem Bericht.

Entwicklungshilfe als lukrative Geldquelle
Als überaus "lukrative Einkommensquelle" hätten die Aufständischen hingegen ausländische Gelder aus der Entwicklungshilfe für sich entdeckt. Schätzungen zufolge würden zwischen 10 bis 20 Prozent der gesamten finanziellen Aufwendungen aus den Vereinigten Staaten und dem Rest der Welt größtenteils in Form von Schutzgeldern und "Beteiligungen" an die Taliban gehen.

Laut den Angaben einer Finanz-Taskforce der ISAF seien alleine bei einem mehr als zwei Billionen Dollar schweren Auftrag des US-Militärs an ein afghanisches Transportunternehmen rund 350 Millionen Dollar in die Kassen der radikalislamischen Bewegung gespült worden. Obwohl dies nur einen Bruchteil der aktiven US-Verträge im Wert von rund 31 Billionen Dollar darstelle, die von der Taskforce überprüft wurden, zeige dieses Beispiel, wie erfolgreich die Taliban Gelder aus der afghanischen Wirtschaft für ihren Kampf abschöpfen.

Aufständische wollen Prinz Harry töten
Die Aufständischen hatten zuletzt angekündigt, Prinz Harry während seines Afghanistan-Einsatzes töten zu wollen (siehe Infobox). Man habe einen "bedeutenden Plan" ausgearbeitet, um den Sohn des britischen Thronfolgers in der Unruheprovinz Helmand anzugreifen und umzubringen, hatten die Tailban am Montag verkündet.

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