Seltene Sorte

Wo Bio-Getreide sogar im Winter sprießt

Salzburg
07.04.2024 12:30

Längst vergessen und kaum angebaut, erlebt die Archesorte Lungauer Tauernroggen auch dank Peter Löcker eine Rückkehr auf den Feldern.

Peter Löckers Getreidefelder in St. Margarethen sind schon grün, während der Schnee zumindest die Spitze des Katschbergs noch im Griff hat. Dort hat sich der Tauernroggen trotz kühler Temperaturen bereits zehn Zentimeter aus dem Boden gekämpft. Er wächst nur hier im Lungau und ist an die rauen Bedingungen auf 1000 Höhenmetern bestens angepasst.

(Bild: Holitzky Roland)

Dem 62-jährigen Bio-Landwirt und seinem Verein „Lungauer Arche“ ist es zu verdanken, dass diese alte Getreidesorte überhaupt noch existiert. Anfang der Neunziger Jahre holte Löcker einen 50-Kilo-Sack mit Roggenkörnern bei einem Landwirt und säte ihn aus. War er damals der einzige im Bezirk, bauen mittlerweile 15 andere das Getreide wieder an.

Zu den Hochzeiten Anfang der Fünfziger waren es allerdings über 200 und der Tauernroggen eine gewöhnliche Getreidesorte. Als es die ersten Mähdrescher gab, kamen die nicht mit den zwei Meter langen Halmen klar. „Und in der Landwirtschaft wurde es wichtiger, einen möglichst hohen Ertrag zu erzielen“, erklärt Löcker. Der Lungauer Tauernroggen verschwand von den Feldern und geriet immer mehr in Vergessenheit.

(Bild: Holitzky Roland)

Die Vorteile alter Sorten werden wiederentdeckt
Nun entdecken Landwirte wie Löcker die Vorteile wieder: „Der Tauernroggen ist für diese Gegend gezüchtet, er ist die widerstandsfähigste Getreidesorte Europas“, meint der stolze Bio-Landwirt. Wetterumschwünge machen dem Roggen wenig aus, nur Hagel oder Starkregen verträgt er nicht. Erst nach fünf Jahren braucht es auf dem Feld einen Fruchtwechsel. Ende September werden die Roggenkörner auf fünf Hektar ausgesät.

Elisabeth Löcker verarbeitet die Ernte vom Feld des Biohofs „Sauschneider“ in St. Margarethen zu ...
Elisabeth Löcker verarbeitet die Ernte vom Feld des Biohofs „Sauschneider“ in St. Margarethen zu Bio-Nudeln, Brot und Mehl.(Bild: Holitzky Roland)

Über Herbst und Winter wächst das Getreide einige Zentimeter, schießt nach den Eisheiligen im Mai regelrecht und wächst den Löckers mit zwei Metern über den Kopf: „Im Frühling sind es fünf Zentimeter am Tag. Ende Juli können wir schon mähen“, erklärt Löcker. Die Körner werden in der Mühle auf dem Biohof Sauschneider zu Mehl, Elisabeth Löcker (60) bäckt Brot und macht Nudeln, die es im Hofladen zu kaufen gibt.

Alles Bio, versteht sich. Für Löcker war der 50-Kilo-Körner-Sack der Anfang einer Erfolgsgeschichte. Er hofft, dass es ihm andere Lungauer Landwirte gleichtun und das Bewusstsein für Altbewährtes wieder steigt.

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Salzburg
07.04.2024 12:30
Loading

Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.

Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.

Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.

Salzburg
Kostenlose Spiele
Vorteilswelt