Nur wenige Stunden nach der Knallhart-Strafe des Bundesliga-Strafsenats sprach Sturms Sportchef Andreas Schicker im Interview mit der „Krone“ über das überraschende Urteil, alte Röhrenfernseher und wieso sich der Obersteirer veröffentliche Audio-Aufnahmen wie in der Premier League wünschen würde.
Krone: Herr Schicker, der Strafsenat der Bundesliga hat Sie nach Ihrem Kniefall und Kritik an Schiedsrichter Ebner nach dem Salzburg-Spiel hart bestraft. Neben einer Geldstrafe in der Höhe von 2000 Euro gibt es eine Funktionssperre von einem Monat. Vom Urteil geschockt oder überrascht?
Andreas Schicker: Weder noch! Aber es ist schon sehr hart. Ich weiß, dass ich nach dem Spiel nicht aufs Spielfeld hätte gehen sollen, der Kniefall war sicher unnötig. Der Gedanke war, mich schützend vor die Mannschaft und den Klub zu stellen. Ich habe kein schlimmes Wort gesagt, nur meine Kritik geäußert.
Es war ein Spitzenspiel, in dem es um viel gegangen ist. Die Emotionen nach dem Schlusspfiff dementsprechend groß. Könnte man von den Schiedsrichtern da nicht ein bisschen Fingerspitzengefühl erwarten?
Das gibt es heutzutage scheinbar nicht mehr. Früher habe ich Fingerspitzengefühl bei den Schiris sehr wohl noch wahrgenommen. Aber ich will mich dazu gar nicht mehr äußern, jeder soll sich selbst sein Bild machen.
Rapid-Geschäftsführer Steffen Hofmann wurde wegen Beleidigung des Gegners im März zu einer Funktionssperre von zwei Monaten, davon ein Monat bedingt, verdonnert. Stimmt da die Verhältnismäßigkeit?
Ich möchte das nicht vergleichen und alte Sachen auffrischen. Ich will, dass in der Liga wieder Ruhe einkehrt. Bei mir hat es im Herbst den Vorfall mit Referee Julian Weinberger gegeben, den ich leicht berührt habe. Dafür habe ich eine 500 Euro-Geldstrafe erhalten. In einem internen Schreiben der Schiris hat es danach Kritik am zu milden Urteil gegeben. Sie haben wohl auf die nächste Möglichkeit gewartet und mich jetzt umso härter bestraft. Ich überlege noch, ob ich zum Protestkomitee gehe. Bis Freitag habe ich Zeit.
Salzburgs Oumar Solet, der beim Match in Graz Jon Gorenc Stankovic im Würgegriff hatte, ist ohne nachträgliche Sperre davongekommen. Das löste bei vielen Fußball-Fans Kopfschütteln aus.
Die Bilder sind eindeutig, da gibt es keine zwei Meinungen. Sogar bei einem alten Röhrenfernseher hat man gesehen, dass Solets Hand am Hals war. Wenn ich dann aus der Zeitung erfahre, dass die TV-Kameras für den VAR kaum Bilder in hochauflösender Qualität liefern, die meisten verpixelt sind, dann muss man den VAR hinterfragen. Diese Einrichtung kostet ja auch viel Geld.
In England herrscht mehr Transparenz beim Video Assistant Referee, sind nach einem Skandal von der Liga sogar die Audio-Aufnahmen veröffentlicht worden.
Das würde ich mir bei uns auch wünschen. Aber da gibt es leider keine solche Transparenz. Man soll wissen, was gesprochen wird, warum es zu solchen Entscheidungen und Urteilen kommt. Aber wir haben uns in den letzten Tagen genug geärgert, unser Fokus gilt dem Cup-Spiel in Salzburg. Da wollen wir eine gute Leistung abliefern!
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