Patricia Nolz, Mezzosopranistin an der Wiener Staatsoper, gab als Gast des Grazer Musikvereins einen Liederabend im Stefaniensaal. Ein spannendes Nachdenken über die Inhalte des romantischen Kunstlieds inklusive.
Liebesleid und Rosenblüten, dazu einen Ehemann zum Anschmachten. Rund um den Frauentag darf man sich schon einmal Gedanken über die Inhalte des romantischen Kunstlieds auf der Klassikbühne machen. Dass sich das Hinterfragen lohnt, zeigt der Liederabend von Mezzosopranistin Patricia Nolz ausgezeichnet.
Zunächst setzt ihre vibratosatte Stimme die eröffnenden drei Lieder Schumanns in eine Aktiv-Perspektive, die unter die florale Zartheit von „Die Blume der Ergebung“ und Co. drängende Vehemenz mengt. Es folgen Brahms „Zigeunerlieder“. Hier brodelt es nicht nur in der Begleitung von Pianist Malcolm Martineau. Mit rollenden Konsonanten („Brauner Bursche“) und atemlosem Opernaffekt arbeitet Nolz Gefühle hervor, die für die Frauen des 19. Jahrhunderts wohl als unsittlich gegolten hätten.
Morbide und schmachtend
Die sechs Gesänge op. 13 von Alexander von Zemlinksy führen dann in eine morbide Jahrhundertwende-Stimmung: Mit sinnverwirrend duftiger Stimme singt Nolz einen teils nekrotischen Textreigen – eine Verführung und Bedrohung. In solchem Kontext wirkt Schumanns „Frauenliebe und Leben“ zuletzt fast etwas rückständig schmachtend. Doch legt die Sängerin träumerisch-feine Umspielungen vor, deren abgründig gegebene Auflösung im Finale einem die Kehle zuschnürt.
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