Reihenweise Geschädigte nehmen im großen Schwurgerichtssaal in Wien Platz. Sie alle fielen einer gefinkelten Betrugsmasche zum Opfer: Rechnungen wurden abgefangen, der IBAN geändert und wieder in die Postkästen eingeworfen. Die Zahlungen gingen somit auf das Konto eines 20-Jährigen - bedingte Haft!
„Er ist nicht der hellste Stern“, versucht der Zweitangeklagte seinen Freund in Schutz zu nehmen, der versehentlich in eine gefinkelte Betrugsmasche hineingezogen worden sein will: Dabei wurden Rechnungen von Wiener Wohnen und der Gemeinde Wien aus Briefkästen gefischt, der IBAN auf den Erlagscheinen geändert und wieder eingeworfen.
Konten zur Verfügung gestellt
Die Geschädigten überwiesen also Unsummen - insgesamt rund 180.000 Euro - auf ein falsches Konto. Und zwar das des Erstangeklagten (20). „Ich war in einer Notsituation und hatte nicht viel Geld“, erklärt der Arbeitslose die Suche im Darknet nach dem schnellen finanziellen Wohlstand: „Die wollten, dass ich Ihnen meine Daten und Kryptokonten gebe. Sie haben gesagt, ich darf das Geld einfach abheben.“
Ich glaube Ihnen, dass Sie naiv an die Sache herangegangen sind. Was ich Ihnen nicht glaube ist, dass Sie dachten, dass das alles legal ist.
Richterin Anna Marchart
Von den Machenschaften der unbekannten Täter im Hintergrund habe er aber nichts gewusst. „Ich glaube Ihnen, dass Sie naiv an die Sache herangegangen sind. Was ich Ihnen nicht glaube ist, dass Sie dachten, dass das alles legal ist“, wirft ihm Richterin Anna Marchart im Wiener Landesgericht vor. „Ich bin nicht der Klügste. Aber wenn ich gewusst hätte, dass das so funktioniert, hätte ich es nicht gemacht“, so der junge Wiener vor den Schöffen.
172 Geschädigte durch IBAN-Betrügerei
Und was dachten die beiden 20-Jährigen, wie es funktioniert? „Ich dachte halt, dass es um Geldwäsche oder so geht. Aber, dass 200 Leute geschädigt werden, hätte ja niemand wissen können“, versucht sich der Mitangeklagte rauszureden. Er tätigte eine Testüberweisung in Höhe von einem Euro auf das falsche Konto, erhielt dafür 2000 Euro.
„Er ist in dieser Konstruktion das kleinste Rädchen. Er hat eigentlich einen Beitrag zum Tatbeitrag geleistet. Ihm war aber klar, dass es hier in irgendeiner Form darum ging zu schnellem Geld und vor allem illegalem Geld zu kommen“, nimmt Anwalt Florian Kreiner das Geständnis seines Mandanten vorweg. Wegen unter anderem schweren Betrug fasst er 12 Monate bedingt aus.
Bei seinem erstangeklagten Freund ist dieser schon gewerbsmäßig, dazu kommt Geldwäsche: 18 Monate bedingte Haft. Den dutzenden Opfern, die die Reihen im großen Schwurgerichtssaal in Wien füllen, werden die überwiesenen Summen zugesprochen.
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