Der lange auch in Graz beheimatete Saxofonist Jure Pukl und sein US-slowenisches Quartett Anorok kamen am Mittwoch für ein gefeiertes Gastspiel im Grazer Stockwerk vorbei.
Heiß und herb, klanglich vollmundig und dabei zugleich gedankenvoll: Anorok, das Quartett des slowenischen Saxofonisten Jure Pukl, vereint im Grazer Stockwerk Intellekt mit Körperkraft. Ohne Harmonieinstrument, dafür mit doppelten Bläsern ausgestattet, ist das Setup der zu drei Vierteln aus New York stammenden Truppe auf direkte Auseinandersetzung ausgerichtet.
Üppige Bläser-Blüten
In engster Umarmung lassen Pukl und Trompeter Philip Dizacks gleich üppig die Bläser blühen. Ihre ineinander geschobenen, hüpfenden Melodien treiben, untermalt vom körnenden Groove des Schlagzeuger Nasheet Waits, sofort die Raumtemperatur nach oben. Doch dann, Momente des Innehaltens: In einem genialen Solo zeigt Joe Sanders die Geburt einer Melodie. Mit Gleittönen und Schwebungen prägt der Bassist einzelnen Noten Griff für Griff eine Seele ein, bis sich langsam ein weit gestreckter Melodienpfad erschließt.
Philosophen am Werk
Das ist fast schon höhere Philosophie, zumindest aber Weisheit, die die Gruppe immer wieder zeigt. Im Fats Navarro Song „Nostalgia“ zitiert man etwa Old Time-Jazz, bevor ein Solo Dizacks immer stolpernder im Rhythmus saure Tonpartikel einmengt. Es ist eine Art Nachdenken über die Welt: Das Alte übersäuert langsam, das Neue bricht durch - so herb, doch auch so wunderbar.
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